SoVD fordert: Schluss mit Fantasiepreisen für Medikamente – Politik soll regulierend eingreifen

Nachdem sich bereits die Krankenkassen zu den hohen Arzneimittelkosten äußerten, macht nun auch der Sozialverband SoVD Druck: Die Regierung soll endlich aktiv gegen die explodierenden Preise auf dem Medikamentenmarkt werden.

heute 14:25 Uhr | 3 mal gelesen

Die Debatte um die Kostenexplosion bei Medikamenten nimmt Fahrt auf. Michaela Engelmeier, Vorstandsvorsitzende des Sozialverbands Deutschland (SoVD), brachte es in einem Interview mit der ‚Neuen Osnabrücker Zeitung‘ auf den Punkt: Es dürfe nicht sein, dass Versicherte immer tiefer in die Tasche greifen müssen, während Pharmaunternehmen weiterhin mit Milliardengewinnen jonglieren. Anders gesagt: Wer krank wird, sollte nicht das Gefühl haben, an einer Kasse in einem Luxusboutique zu stehen. Engelmeier fordert, was eigentlich selbstverständlich klingen sollte: noch vor der Zulassung von neuen Medikamenten eine knallharte Kosten-Nutzen-Prüfung. Ziel sei es, diese „Mondpreise“ einzuhegen, die im pharmazeutischen Elfenbeinturm oft entstehen. Die Bundesregierung muss – so die Forderung – das Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (AMNOG) schleunigst modernisieren. Dadurch könnten nicht nur die gesetzlichen Kassen, sondern auch die ohnehin oft belasteten Versicherten entlastet werden. Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hat zumindest schon mal eine Expertenrunde ins Leben gerufen: Bis Ende März sollen diese Damen und Herren knifflige Vorschläge zur Senkung der Gesundheitsausgaben auf den Tisch legen, um zu verhindern, dass schon bald wieder neue Beitragssteigerungen drohen. Übrigens: Der GKV-Spitzenverband – also die große Kassenvertretung – schlägt in die gleiche Kerbe. Vorstand Oliver Blatt brachte es jüngst auf den Punkt: Die Arzneimittelpreise hierzulande rangieren weltweit auf Platz zwei, nach den USA. Trotzdem blieb politische Entschlossenheit bisher eher ausbaufähig. Nur so am Rande: Im vergangenen Jahr blätterten die Kassen für Medikamente die stolze Summe von 58,5 Milliarden Euro hin – mehr, als sie für die ambulante ärztliche Versorgung aufwenden mussten. Irgendwie schon ein verrücktes Missverhältnis.

Sowohl der Sozialverband Deutschland (SoVD) als auch die gesetzlichen Krankenkassen verlangen, dass die Politik endlich entschiedene Maßnahmen gegen die immer weiter steigenden Preise für Medikamente trifft. Im Kern steht die Forderung nach einer frühzeitigen Kosten-Nutzen-Bewertung neuer Medikamente und einer Überarbeitung des Arzneimittelmarktneuordnungsgesetzes (AMNOG). Ein weiterer interessanter Aspekt: Die Tatsache, dass deutsche Arzneimittelpreise im internationalen Vergleich extrem hoch sind, hat inzwischen selbst die Bundesregierung auf den Plan gerufen – ein eigens einberufenes Expertengremium soll Wege aufzeigen, wie sich die Kostenlawine stoppen könnte. Aktuelle Berichte verschiedener Medien zeigen, dass das Thema Kostenexplosion bei Medikamenten hochaktuell ist. Nach jüngsten Zahlen haben die gesetzlichen Kassen 2023 für Medikamente mehr ausgegeben als für jegliche ambulante ärztliche Behandlung; der finanzielle Druck wächst. In der öffentlichen Debatte werden zudem Forderungen nach mehr Transparenz bei Arzneimittelpreisen und strengeren Zulassungsmechanismen erhoben.

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