Julia Verlinden, Vize-Fraktionschefin der Grünen im Bundestag, lässt im Gespräch mit der 'Rheinischen Post' keinen Zweifel an ihrer Haltung. Das Motto der Stunde, sagt sie sinngemäß, laute 'erneuerbar statt atomar': Winzige Reaktoren? Noch teurer, noch riskanter, bringt niemandem was. Sie spitzt sogar zu: 'Jedes Kind weiß inzwischen, wie wichtig Wind und Sonne sind – und dass sie längst funktionieren.' Gerade im von Sonne eigentlich verwöhnten Bayern, könne man damit sofort richtig Strom machen. Die SPD rollt derweil mit den Augen. Für Energiepolitikerin Nina Scheer ist Söders Atom-Vorstoß vollends abwegig – ein „Rückfall in Geisterfahrt und alte Technik“. Sie erinnert trocken daran: Der Atomausstieg ist Gesetz. Die SPD nickt zu keiner Lex Bavaria. Abgesehen davon, wie Scheer betont, sei Atomstrom ohnehin ein Fass ohne Boden – sauteuer, voller Risiken, und wie ein Blick auf Pilotprojekte in den USA zeigt, klappt das mit den kleinen Reaktoren bislang nicht mal dort. Und, nicht zu vergessen: 'Mehr kleine Meiler – noch mehr Sorgen um Sicherheit, noch mehr Atommüll.' Dabei lägen die Lösungen eigentlich auf der Hand. Wobei ehrlich gesagt, was ist schon eine Energiewende, bei der ständig jemand zurückrudern möchte? Söder kontert im Boulevard, eine Rückkehr zur Kernenergie sei überfällig. Das bringt nochmal Stimmung.
Die Debatte um Mini-Atomkraftwerke in Bayern hat die ohnehin kontroverse Diskussion um Atomenergie in Deutschland wieder entfacht. Während Markus Söder einen neuen Anlauf für Kernenergie wagt, sprechen sich sowohl Grüne als auch SPD eindeutig dagegen aus – mit Verweis auf die Risiken, die Kosten und das geltende Gesetz zum Atomausstieg. Inzwischen hat sich auch auf bundespolitischer Ebene das Thema in zahlreiche Diskussionsrunden und Debatten ausgedehnt – nicht zuletzt, weil weltweit ähnliche Projekte (zum Beispiel in den USA mit den bekannten Small Modular Reactors) aktuell auf enorme Hürden stoßen: Kosten laufen aus dem Ruder, Zeitpläne werden zerschossen, der politische Rückhalt bröckelt. Auch in europäischen Nachbarländern bemerkt man, dass die Populismus-Keule in energiepolitischen Fragen leicht geschwungen wird, ohne dass grundlegende Probleme damit gelöst wären. Aktueller Recherche nach bleibt es bei einer politisch motivierten Debatte, die weder technologisch noch wirtschaftlich derzeit ein tragfähiges Fundament hat.