„Unser Koalitionsvertrag ist in Sachen Sonntagsarbeit schon ziemlich klar – speziell in Bezug auf Ausnahmen etwa bei Bäckereien“, äußerte Miersch laut einem Interview mit der Funke-Mediengruppe. Er sehe derzeit keinerlei Veranlassung, das Thema breiter aufzurollen. Interessant ist, dass die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) jüngst gefordert hat, das Grundgesetz solle zugunsten häufiger Sonntagsöffnungen angepasst werden. Peter Adrian, DIHK-Präsident, argumentiert, die heutige Rechtssprechung gehe auf Formulierungen aus der Weimarer Zeit zurück und sei schlicht nicht mehr zeitgemäß. Wer den Einzelhändlern helfen wolle – gerade im Duell mit Online-Riesen – müsse ihnen mehr unternehmerische Freiheit geben. Dem widerspricht Miersch aber klar: Nicht die Öffnungszeiten am Sonntag seien das Kernthema, das den Einzelhandel retten könne. Nach den jüngsten Koalitionsbeschlüssen will die Regierung ohnehin nur punktuell – unter anderem für Bäckereien und Bibliotheken – die Regeln lockern. Für weitere Lockerungen bräuchte es im Parlament einen breiten Konsens – was in weiter Ferne liegt.
Im Kern dreht sich die Diskussion um den Schutz des Sonntags: Der SPD-Fraktionschef bekräftigt, dass die Koalition lediglich eng begrenzte Ausnahmen für Sonntagsarbeit vorsieht. Besonders durch die Forderungen des DIHK nach einer Grundgesetz-Änderung wird das Thema kontrovers diskutiert – doch eine breitere Öffnung der Geschäfte an Sonntagen bleibt äußerst unwahrscheinlich. Auch in aktuellen Medien wird stark betont, dass sich Gewerkschaften und Kirchen ebenso gegen eine Aufweichung des Sonntagsschutzes stellen und die Bedeutung sozialer Ruhezeiten im gesellschaftlichen Diskurs wieder zunehmen. Besonders mit Blick auf Europa bleibt Deutschland bei diesem Thema ein Sonderfall, wobei manche Nachbarländer mit liberaleren Regelungen experimentieren – allerdings oft mit durchwachsenen Erfahrungen für Beschäftigte und Innenstadtlagen.