Starttermin für staatliches Altersvorsorgedepot wohl in der Schwebe

Fachleute rechnen damit, dass das von Finanzminister Lars Klingbeil vorangetriebene Altersvorsorgedepot nicht – wie ursprünglich vorgesehen – pünktlich eingeführt werden kann.

heute 00:03 Uhr | 2 mal gelesen

Eigentlich hätte das sogenannte Altersvorsorgedepot, das den ungeliebten Riester-Vertrag ablösen soll, ab dem 1. Januar 2027 an den Start gehen sollen. Doch nach Recherchen der Süddeutschen Zeitung sieht es zurzeit alles andere als danach aus. Wirtschaftsprofessor Matthias Beenken mahnt: Ohne eine klare Verordnung der Bundesregierung bleibt vieles im Ungewissen. Kommen dann noch Vergabeverfahren für private Anbieter ins Spiel, kann sich das alles leicht bis ins nächste Jahr verschleppen. Auch die Redaktion von Finanztip äußert sich zurückhaltend. Saidi Sulilatu betont, dass ausgerechnet nach dem Vertrauensverlust durch das Riester-Modell jetzt Verlässlichkeit gefragt wäre – und das Zeitfenster schrumpft unaufhaltsam. Der Grünen-Finanzpolitiker Stefan Schmidt sieht sogar das gesamte Projekt ins Wanken geraten. Ein verspäteter Start könnte für Verbraucher und den Wettbewerb zum Nachteil geraten. Im Kern soll das neue Depotmodell Beschäftigten, Selbstständigen und anderen Gruppen mehr Möglichkeiten zur privaten Altersvorsorge mit staatlicher Unterstützung bieten. Immerhin: Der Kostendeckel von einem Prozent pro Jahr und die Verpflichtung aller Anbieter zu einem Standarddepot gelten schon als Fortschritt – das staatliche Angebot könnte dabei Maßstäbe für die Branche setzen. Aber ob und wann wirklich alles spruchreif ist, darauf gibt das Ministerium weiterhin keine verbindliche Antwort. Nur eines ist offenbar sicher: Das Thema bleibt – wie so oft bei der Altersvorsorge – eine Geduldsprobe. Und manchmal fragt man sich, ob die Verwaltung nicht längst für einen Tag im Kalender lebt, der selten kommt.

Die geplante Einführung des staatlichen Altersvorsorgedepots, das die Riester-Rente ablösen soll, verzögert sich aus mehreren Gründen. Nach Ansicht von Experten fehlt es an den entscheidenden gesetzlichen Grundlagen, und aufwändige Ausschreibungsverfahren für private Anbieter kosten zusätzliche Zeit. Zwar soll das Depot künftig niedrigere Kosten und mehr Auswahl bringen, aber aktuell ist fraglich, wann Verbraucher wirklich damit rechnen können. Ergänzend dazu berichten mehrere Medien und Organisationen, dass die Unsicherheit über das genaue Konzept und die Organisation (zum Beispiel bezüglich Trägerschaft oder Produktbedingungen) auf dem Arbeitsmarkt und bei Selbstständigen große Skepsis hervorruft. Manche Stimmen aus den Wirtschaftsverbänden und Gewerkschaften fordern mittlerweile einen konkreten Zeitplan und mehr Transparenz bei der Ausgestaltung. Im politischen Diskurs wächst außerdem der Druck, nach den Fehltritten der Riester-Rente diesmal tatsächlich eine vertrauenswürdige und langfristig tragfähige Lösung zu bieten.

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