Streit um Krankschreibung ab erstem Tag: Grüne üben scharfe Kritik
Die jüngste Entscheidung der Koalition, ab dem ersten Krankheitstag eine ärztliche Krankschreibung zu verlangen, stößt bei den Grünen auf massiven Widerstand. Janosch Dahmen, gesundheitspolitischer Sprecher der Fraktion, moniert, dass diese Regel die Praxen unnötig füllt, während das Gesundheitswesen ohnehin unter Kürzungsdruck steht. Gerade bei leichten Erkrankungen solle Selbstfürsorge vor Bürokratie gehen – niemand brauche mehr Papierkram für Schnupfen.
heute 10:33 Uhr | 6 mal gelesen
Die Grünen sehen in der neuen Regelung eine Fehlsteuerung: Ärztinnen und Ärzte werden zur 'Zettelvergabe' gezwungen, statt wirklich zu helfen – das lässt Zeit für Patienten mit ernsthaften Beschwerden schrumpfen. Außerdem, so wird betont, gefährdet das ständige Aufsuchen der Wartezimmer gerade bei Infekten den Schutz anderer und läuft deshalb moderner Gesundheitsvorsorge zuwider. Anstatt die wirklich drängenden Probleme wie die Überarbeitung der Pflege oder Lösungen für finanzielle Engpässe bei den Krankenkassen anzupacken, produziere die Koalition lediglich zusätzliches Papier und Frust in einem System, das eh schon am Limit arbeitet. Dahmen spricht offen von einem "Bürokratie-Megaprogramm", das Krankheiten nicht kuriert, sondern Aktenordner füllt.
Viele Experten und Akteure im Gesundheitswesen teilen die Kritik: Die Verpflichtung zur Krankschreibung ab Tag eins wird als Rückschritt empfunden – auch weil sie die ohnehin angespannten Strukturen weiter belastet. International sind viele Länder längst weiter und setzen stärker auf Eigenverantwortung der Mitarbeitenden bei leichten Krankheiten; Deutschland hingegen verkompliziert ausgerechnet jetzt. Neue Details aus jüngeren Debatten deuten an, dass auch Ärztinnenverbände und die Kassen angesichts der Praxisüberlastung nach Auswegen suchen. Zahlreiche Medien berichten zudem über hitzige Diskussionen zwischen den Koalitionspartnern, wobei Befürworter vor allem auf Missbrauchsvermeidung pochen, die Kritiker jedoch gravierende Folgen für Versorgung und Präventionsarbeit sehen.