Hand aufs Herz: Wer von uns hat sich nicht schon dabei ertappt, bei der verzweifelten Onlinesuche nach einer neuen Jacke oder Kopfhörern eine AI-Antwort von Google zu überfliegen oder sogar ChatGPT danach zu befragen? Laut einer aktuellen Untersuchung von CELUM und TQS ist dieses Verhalten längst keine Randerscheinung mehr. Drei von zehn Deutschen greifen auf KI-gestützte Chatbots oder Googles automatisch generierte Antworten zurück, wenn sie sich über Produkte schlau machen wollen. Interessanterweise scheinen Frauen der KI-Suche einen Tick mehr zu vertrauen als Männer. Besonders bei den 16- bis 29-Jährigen ist der Griff zum Chatbot fast schon Routine – immerhin 42,7 Prozent nutzen das Tool, bei den Älteren (50-65 Jahre) sind es nur noch verschwindend geringe 16 Prozent. Und während die Jungen breit gefächert von Social Media bis KI suchen, bleiben die älteren Generationen lieber bei der gewohnten Suchmaschine. Spannend: Menschen mit Abitur oder höherem Einkommen setzen noch stärker auf KI-Lösungen – bei niedrigeren Bildungsabschlüssen sind es nur etwa 25 Prozent. Regional betrachtet glänzt Berlin mit einer besonders hohen KI-Nutzung; im Saarland dagegen führt die Vorliebe für KI-Zusammenfassungen. Die Untersuchung basiert auf Daten von 1.000 Menschen aus ganz Deutschland, die in einer Online-Panelbefragung im März und April 2026 ihre digitalen Gewohnheiten offenlegten. Während KI noch oft zum Recherchieren genutzt wird, sieht CELUM dabei erst den Anfang: Bald könnten künstliche Agenten auch unsere Kaufentscheidungen treffen. Für Unternehmen bedeutet das: Wer seine Produktinfos nicht klar und maschinenverständlich aufbereitet, riskiert auf kurz oder lang in der digitalen Versenkung zu verschwinden.
Die Umfrage verdeutlicht, dass Künstliche Intelligenz beim Produkterwerb in Deutschland schnell an Bedeutung gewinnt – insbesondere bei jungen, gebildeten sowie einkommensstarken Konsument*innen. Interessant ist zudem die geografische Streuung der KI-Nutzung, wobei Berlin, Bayern und Hamburg hervorstechen, während etwa Bremen und Sachsen-Anhalt zurückliegen. Im internationalen Vergleich zeigt sich, dass in anderen Ländern wie Großbritannien und den USA der Anteil KI-basierter Produktsuchen noch etwas höher liegt, teils auch befeuert durch gezieltere Integrationen in den Alltag durch Anbieter wie Amazon oder Google. Unternehmen stehen zunehmend vor der Herausforderung, Inhalte nicht nur für den Menschen, sondern auch für maschinelle Leser*innen verständlich und sichtbar zu machen, da die Empfehlungssysteme der Konsumenten-KI immer größere Marktmacht gewinnen. Ein weiteres zentrales Diskussionsthema ist die notwendige Regulierung und Ethik rund um KI im Handel, damit Transparenz und Datenschutz nicht verloren gehen. KI-gestützte Einkaufsprozesse bieten Chancen für mehr Personalisierung, stellen aber auch Händler vor die Herausforderung, traditionelles Onlinemarketing weiterzuentwickeln.