Tierärzte drängen auf bundesweite Pflicht zur Kastration von Katzen

Die Bundestierärztekammer setzt sich nachdrücklich für eine landesweit einheitliche Kastrationspflicht bei Katzen mit Freigang ein – bisher regeln die Bundesländer dieses Thema höchst uneinheitlich.

heute 07:13 Uhr | 2 mal gelesen

Seit Jahren wölkt sich das Problem der streunenden Katzen in Deutschland immer weiter auf. Holger Vogel, seines Zeichens Präsident der Bundestierärztekammer, beschrieb es jüngst gegenüber der "Rheinischen Post" als echtes Dauerthema im Tierschutz. Hauptschuldige? Oftmals Privathalter, deren unkastrierte Freigängerkatzen den Nachwuchs zeugen, der dann auf der Straße landet. Straßenkatzen zu kastrieren, sie aber parallel von privaten Nachzüglern wieder zu „ersetzen“, das hat laut Vogel nur bedingten Sinn. Was die gesetzlichen Vorgaben betrifft, herrscht ziemliches Durcheinander, ein Wort, das Hand in Hand mit 'Flickenteppich' geht – jedes Bundesland, teils sogar einzelne Kommunen, basteln sich ihre eigenen Kastrations-Verordnungen. Für Vogel eine unnötig komplizierte Strategie: "Eine klare, bundesweit geltende Regelung wäre ehrlicher und verständlicher." Und wichtig: Damit diese Regelung funktioniert, brauche es nicht nur eine Kastrationspflicht, sondern auch die Pflicht zur Kennzeichnung und Registrierung; Katzen könnten so eindeutig Halter:innen zugeordnet werden. Auch beim Deutschen Tierschutzbund ist der Geduldsfaden gespannt: Präsident Thomas Schröder sieht die Kastrationspflicht als einzig wirksames Mittel gegen den Kreislauf von Elend, Hunger und Krankheit, in dem Straßenkatzen gefangen sind. "Solange private Katzen nicht kastriert werden, spült jeder Frühling neue Kitten auf die Straße – das Leid ist vermeidbar, politischer Wille fehlt“, so Schröder. Außerdem betont er, dass ehrenamtliche Tierschützer allein solche Aktionen gar nicht stemmen könnten; Unterstützung vom Staat? Bis jetzt, Fehlanzeige. Kurios eigentlich, wie lange sich Politik und Gesellschaft um eine scheinbar banale, aber wirksame Maßnahme drücken. Vielleicht liegt es daran, dass Streunerkatzen eben keine Lobby im Bundestag haben.

Das Problem verwilderter Hauskatzen in Deutschland wächst laut Tierärzten und Tierschutzorganisationen stetig, weil viele Halter ihre Katzen nicht kastrieren lassen. Die bestehenden regionalen Kastrationsverordnungen führen laut Kritikern zu einem Flickenteppich an Regelungen und sind wenig wirkungsvoll. Bundesweite Einheitlichkeit könnte helfen, das Leid streunender Katzen zu verringern, bedarf aber auch finanzieller und struktureller Unterstützung für Tierschutzvereine. Neuere Berichte unterstreichen zudem: Nach Schätzungen des Deutschen Tierschutzbundes leben derzeit rund zwei Millionen Streunerkatzen in Deutschland, mit starken Schwankungen je nach Region. Die Debatte erhält aktuellen Zündstoff, weil einige Bundesländer vereinzelt verpflichtende Katzenschutzverordnungen verschärfen, während andere nahezu untätig bleiben. Zusätzlich zeigen neue Studien, dass Kastrationsaktionen, kombiniert mit der Kennzeichnung per Chip oder Tätowierung, eine signifikante Reduktion der Straßenkatzen-Population ermöglichen können.

Schlagwort aus diesem Artikel