Udo Di Fabio: Keine zwingende Frauenquote fürs Bundespräsidentenamt

Ex-Verfassungsrichter Udo Di Fabio sieht keine politische Notwendigkeit, das höchste Staatsamt in Deutschland zwingend an eine Frau zu vergeben. Wo tatsächlich Benachteiligung nach Geschlecht oder Herkunft besteht, müsse der Staat zwar eingreifen – für das Schloss Bellevue fordert er aber vor allem individuelle Qualitäten.

heute 08:38 Uhr | 1 mal gelesen

Der frühere Bundesverfassungsrichter Udo Di Fabio winkt – sinnbildlich gesprochen – ab: Das Amt des Bundespräsidenten müsse nicht weiblich besetzt werden. "Natürlich wäre eine Frau als Bundespräsidentin vorstellbar und reizvoll, aber daraus ergibt sich kein Automatismus", betont er im Gespräch mit dem Tagesspiegel.

Geschlecht als Nebensache?

Menschen, so Di Fabio, ordnen sich meist nicht starren Paritäten zu – zumindest nicht im Alltag. Gesetzlich einzuschreiten sei erst dann nötig, wenn Diskriminierung tatsächlich nachweisbar werde.

Interessanter Exkurs: Bereits zu Zeiten wilhelminischer Strenge (und später, in den politisierten 1970ern) wurde die Forderung laut, man möge die Führungsetagen mit bestimmten Gruppen quotieren – etwa Arbeiterkindern. Das spukte nicht nur durch Gewerkschaftsköpfe, sondern landete auch auf so mancher Uni-Tafel. Di Fabio blieb kritisch: Die Herkunft, so schien es ihm, sollte nicht entscheidend sein.

Im Fokus: Charakter und Kompetenz

Das Grundgesetz, und das klingt fast erschütternd schlicht, setzt auf den Einzelnen – mit all seinen Fähigkeiten, Widersprüchen und menschlichen Narben. Persönliche Eignung, nicht Gruppenzugehörigkeit, müsse im Mittelpunkt stehen, sagt Di Fabio.

Gerade jetzt, wo das Stühlerücken um die Nachfolge Frank-Walter Steinmeiers begonnen hat, wirkt Di Fabios Einwurf wie eine leichte Mahnung an alle, das große Ganze nicht zugunsten eines Symbols aus den Augen zu verlieren. Nicht, dass er die Debatte für überflüssig hält – eher plädiert er für eine Abwägung: Repräsentation bedeutet für ihn keine Verpflichtung.

Symbolik oder Sachfrust?

Die Wahl selbst bleibt ein kompliziertes Gebilde: Nicht das Volk, sondern die vielgestaltige Bundesversammlung kürt den Präsidenten oder die Präsidentin. Hier zählen nicht nur Parteibücher, sondern auch Integrationskraft, Verfassungstreue – und ja, manchmal vielleicht eine anrührende Biografie.

Die Diskussion um eine mögliche Präsidentin spiegelt die Sehnsucht nach sichtbarer Vielfalt, aber auch Skepsis gegenüber rein gruppenbezogenen Lösungen. Di Fabio schreibt der Fähigkeit, Brücken zu bauen und Menschen einzufangen, eine größere Rolle zu als Genderstatistiken. Dennoch bleibt er, was Diskriminierung angeht, unnachgiebig: Wo sie nachweisbar ist, muss Recht eingreifen – aber nicht jeder Ruf nach Quote sei Ausdruck von Gerechtigkeitssinn.

Kurz gesagt

Ehemaliger Verfassungsrichter Udo Di Fabio hält eine Frau im Schloss Bellevue zwar für reizvoll, aber für kein politisches Muss. Für ihn steht die Eignung des Einzelnen – unabhängig von Gruppenzugehörigkeiten – im Vordergrund. Das Recht müsse immer dort greifen, wo tatsächliche Benachteiligung aufgrund von Geschlecht oder anderen Merkmalen auftritt, nicht aber aus Prinzip die Repräsentation erzwingen.

Persönliche Note

Di Fabio wirft mit seiner Position einen kritischen Blick auf Quotenforderungen, sei es aus Gender- oder Sozialgruppengründen. Gerade in einer Zeit, in der politische Symbolik und Diversitätsfragen öffentlich lauter werden, mahnt er: Es braucht Augenmaß und Sachlichkeit in der Diskussion daneben. Während feministische Gruppen weiterhin eine stärkere Sichtbarkeit von Frauen in Machtpositionen fordern, sehen Stimmen wie Di Fabio die eigentliche Herausforderung darin, echte Chancengleichheit und Qualifikation als Maßstab zu wahren.

Jüngste Entwicklungen und größere Debatte

Laut FAZ hat sich Bundeskanzler Olaf Scholz bis heute nicht öffentlich auf eine weibliche Kandidatin festgelegt, unterstützt aber offenbar Diskussionen um mehr Vielfalt an der Staatsspitze. Der Spiegel berichtet online über eine wachsende gesellschaftliche Erwartung an Repräsentation und Vielfalt, ohne jedoch auf eine gesetzliche Frauenquote zu drängen. Die Zeit betont, dass die Chancen einer weiblichen Staatsoberhauptkandidatin steigen, gerade weil innerparteiliche Stimmen für eine Modernisierung des Amtes laut werden.

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