Ehrlich gesagt, manchmal frage ich mich, ob Tarifverhandlungen überhaupt noch so laufen wie vor zwanzig Jahren. Jedenfalls scheint jetzt – trotz nächtelanger Gespräche – zwischen Verdi und der Postbank-Ende Gelände zu sein. Die Gewerkschaft warf der Arbeitgeberseite vor, bei der dritten Verhandlungsrunde kein bisschen Bewegung gezeigt zu haben: kein brauchbares neues Angebot, kein Schritt auf die Mitarbeitenden zu. Am 17. Juni startet deshalb die Urabstimmung übers Streiken, und sollte mindestens Dreiviertel der Verdi-Mitglieder mitmachen, stehen unbefristete Streiks tatsächlich an. Interessant: Für Ende Juni wurde dennoch eine vierte Runde angekündigt – ob das ein ernst gemeintes Angebot wird oder bloß Show, bleibt offen. Verdis Verhandlungsführer Jan Duscheck findet, der Ball liege klar im Feld der Deutschen Bank; die könnte den Arbeitskampf noch verhindern, wenn sie denn endlich mal den Geldbeutel lockert und echte Wertschätzung zeigt. Die Forderungen sind nicht von Pappe: 8 Prozent mehr Gehalt, aber mindestens 300 Euro monatlich, dazu 200 Euro extra für Azubis. Und weil Transformation heutzutage fast schon ein Reizwort ist: Auch Qualifizierung und Schutz im Zeichen von KI stehen auf Verdis Liste. Ach ja, Arbeitsplatz- und Standortschutz sowieso – keine Branche ist heute noch vor Umbrüchen sicher.
Nach dem Scheitern der dritten Tarifrunde bei der Postbank hat Verdi die Gespräche kurzfristig abgebrochen und eine Urabstimmung über unbefristete Streiks angekündigt, welche am 17. Juni beginnt. Der Gewerkschaft geht es nicht nur ums Geld, sondern auch um zukunftssichere Arbeitsbedingungen angesichts anhaltender Umstrukturierungen und der Einführung von Künstlicher Intelligenz – Aspekte, die in der deutschen Bankenlandschaft aktuell erhebliche Unsicherheiten erzeugen. Laut aktuellen Berichten wächst der Druck auf Banken und Beschäftigte: Viele Institute stehen, nicht zuletzt durch Digitalisierungswellen und die schwankende Konjunktur, vor ähnlichen Herausforderungen wie die Postbank. In den letzten Tagen häufen sich Meldungen über vergleichbare Tarifkonflikte auch in anderen Branchen, was auf eine gesamtgesellschaftliche Spannung am Arbeitsmarkt schließen lässt.