Verdi schießt scharf gegen Bund: Pläne zur 'Entlastungsprämie' gescheitert

Frank Werneke, der Chef der Gewerkschaft Verdi, spart nicht mit deutlichen Worten: Die schwarz-rote Koalition habe bei der geplanten 'Entlastungsprämie' für Beschäftigte gravierende Fehler gemacht. Ihn wundert das Scheitern im Bundesrat wenig.

heute 13:59 Uhr | 2 mal gelesen

Dass der Bundesrat der sogenannten Entlastungsprämie heute einen Riegel vorgeschoben hat, kommt für Verdi-Boss Werneke alles andere als überraschend. Die 1.000-Euro-Zahlung, so seine Kritik, sei übereilt und nahezu planlos von den Spitzen der Regierung ins Gespräch gebracht worden – ohne, dass die sozialen Partner sich austauschen oder die konkreten Auswirkungen absehen konnten. Schon bevor das offizielle Aus im Bundesrat kam, stand die Prämie faktisch auf wackeligen Beinen: Viele Arbeitgeber, darunter kurioserweise auch der öffentliche Dienst selbst, wollten sie schlicht gar nicht zahlen oder planten, die Einmalzahlung als Ersatz für echte Lohnerhöhungen in Tarifrunden einzusetzen. Bei Verdi stößt das auf heftigen Widerstand: 'Die Preissteigerungen verschwinden schließlich nicht einfach, nur weil einmalig ein Bonus gezahlt wird', so Werneke sinngemäß. Auch Verena Bentele vom VdK hatte daran wenig Gutes zu lassen. Ihr zufolge sind solche punktuellen Prämien grundsätzlich kein verlässliches Mittel, um wirklich für Entlastung zu sorgen. Sie fordert, dass der Sozialstaat sich unabhängiger macht vom Wohlwollen oder der Kassenlage der Arbeitgeber und stattdessen verlässlichere, direktere Unterstützungsstrukturen für Krisenzeiten schafft – klar, einfach, sozial und zielgenau.

Der Streit um die gescheiterte Entlastungsprämie zeigt: Zeitlich begrenzte Zahlungen reichen angesichts anhaltend hoher Lebenshaltungskosten kaum aus. Sowohl Arbeitnehmervertretungen als auch Sozialverbände wie der VdK sehen in diesem Ansatz einen Irrweg – sie pochen stattdessen auf nachhaltigere staatliche Hilfen. Aktuell wird auch in anderen europäischen Ländern diskutiert, wie Beschäftigte wirksam entlastet werden können, sei es durch dauerhafte Steueranpassungen, Energiesubventionen oder gezielte Transferleistungen. Laut aktuellen Berichten plant die Bundesregierung nach Rückschlägen bei einzelnen Entlastungsmaßnahmen einen größeren Wurf: Ein Paket direkter Unterstützungen, das weniger von Arbeitgeber-Initiativen abhängig ist und schneller greifen soll. Diskutiert wird außerdem eine Reform des Wohngelds sowie langfristige Lohnsteigerungen als Antwort auf Inflation und soziale Schieflagen.

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