Eigentlich merkt man schon nach wenigen Minuten, dass sich diese Konferenz von den meisten anderen unterscheidet. Karl-Heinz Banse, Chef des Deutschen Feuerwehrverbands und auch der zugehörigen Stiftung, hält keine bloße Begrüßung, sondern spricht offen über das, was oft nur hinter vorgehaltener Hand Thema ist: Die psychischen Verwundungen, die nicht verheilen, wenn etwa Kolleginnen oder Kollegen bei einem Atemschutznotfall vermisst werden. Ein Moment, der jede Routine sprengt. Und das ist nicht mal das Schlimmste – Banse berichtet von gezielten Angriffen auf Einsatzkräfte in Kriegsgebieten, einem Horror, auf den einen niemand vorbereitet.
Grit Tüngler, Präsidentin des BBK, macht klar: Die psychosoziale Notfallversorgung entscheidet mit darüber, ob Feuerwehrleute langfristig handlungsfähig bleiben. Ihr Appell ist eindeutig: Gute Betreuung der Einsatzkräfte ist kein Nice-to-have, sondern lebenswichtig für das gesamte System Katastrophenschutz. Kooperation zwischen BBK und Feuerwehrverband sei dabei der Schlüssel.
Im Block "Erfahrungen aus der Ukraine" wird es dann nochmal deutlich ernster – Bastian Veigel, ein Unfallchirurg mit drei Hilfseinsätzen im Donbas, beschreibt einen Alltag, der eigentlich keiner sein sollte: "Man kann nicht erklären, wie es ist, auf Granaten zu warten oder Tote zu bergen, die kaum noch zu identifizieren sind." Die Details mag man gar nicht wiedergeben. Klar wird: Die seelische Dauerbelastung kann man sich nicht vorstellen, man muss sie förmlich mitfühlen. Die Zahl der Einsätze, bei denen psychologische Hilfe benötigt wird, hat sich nach Aussage von Anastasiia Kuchynska von unter zehntausend auf fast vierzigtausend in kurzer Zeit vervielfacht – Gründe dafür sind nicht nur der Krieg selbst, sondern auch Blackouts, Kälte und Wasserknappheit. "Manchmal hilft schon unsere bloße Anwesenheit", so Yuliia Sydorenko, ukrainische Psychologin.
Ein ungeplanter, aber entscheidender Themenwechsel: Wie muss Feuerwehrarbeit unter feindlichem Beschuss aussehen? Nils Thal, der seit Jahren ehrenamtlich in der Ukraine vor Ort ist, schildert: "Nicht helfen zu dürfen, weil der nächste Angriff droht – das nagt mehr an einem als alles andere." Auch Andrey Gurkov, Russlandkenner, und Oleksandra Matviichuk, Menschenrechtlerin und Friedensnobelpreisträgerin, kommen digital zu Wort. Matviichuk erinnert an die Würde und Verantwortung aller Helfenden – und daran, dass sie in historischen Ausnahmezeiten handeln.
Am Ende bleibt bei den meisten wohl mehr als ein Gefühl: Diese oft unsichtbare Belastung, das stille Leid von Feuerwehrleuten und Katastrophenschützern, darf kein Tabu sein. Ihr Durchhaltevermögen ist – gerade in der aktuellen Weltlage – nichts Selbstverständliches. Die nächste Gelegenheit zum Austausch wird in drei Jahren wieder in Fulda sein.
Weitere Infos und freigegebene Beiträge gibt’s online beim Deutschen Feuerwehrverband.
(Pressekontakt: Silvia Oestreicher, DFV, oestreicher@dfv.org)
Das Symposium in Fulda stellte die enormen psychischen Herausforderungen für Einsatzkräfte – vor allem in Katastrophen- und Kriegsgebieten – in den Mittelpunkt. Besonders bewegend waren die Berichte von Feuerwehrleuten und Psychologinnen aus der Ukraine, die schilderten, wie dramatisch sich die Belastungen im Zuge des russischen Krieges und zusätzlicher Krisen (Stromausfälle, Kälte, Wassermangel) verschärft haben. Intensiv diskutiert wurden auch neue Maßnahmen der psychosozialen Notfallversorgung und die Notwendigkeit, die Resilienz der Helfenden weiter zu stärken.
Neueste Entwicklungen zeigen, dass Zivil- und Katastrophenschutz nicht mehr nur klassische Szenarien umfassen; vermehrte Angriffe auf Rettungskräfte und die gezielte psychische Kriegsführung verlangen bislang selten erprobte Konzepte für Betreuung und Nachsorge. Wie aus aktuellen Berichten hervorgeht, nimmt auch in Deutschland die Bedeutung von PSNV zu, weil etwa nach Großschadenslagen, Extremwetter oder Amokläufen Helfer:innen oft mit Trauer, Ohnmacht oder Schuldgefühlen ringen. Gleichzeitig wächst europaweit das Bewusstsein für regelmäßige Fortbildungen, Supervision und die Förderung einer Fehler- und Hilfekultur im Notfallwesen.