Vom Höhenflug zum Absturz: Neues MDR-Podcastformat rollt die Unister-Saga auf

Leipzig war einst das Zentrum eines Internetwunders: Die Portale von Unister, allen voran ab-in-den-urlaub.de, verwandelten die Stadt und die deutsche Reiselandschaft – bis zur Katastrophe 2016, als Firmengründer Thomas Wagner und Oliver Schilling bei einem tragischen Flugzeugunglück starben und Unister anschließend Pleite ging. Der MDR nimmt das zum Anlass und blickt nun im Podcast "Ab in den Urlaub – Der Crash des Internet-Imperiums Unister" zurück: Interviews mit Ex-Mitarbeitenden und Weggefährten führen durch einen der rasantesten Auf- und Abstiege der noch jungen deutschen Digitalgeschichte. Ab dem 6. März gibt es alle drei Folgen zum Nachhören in der ARD Audiothek.

heute 10:00 Uhr | 4 mal gelesen

Jana Cebulla, die Chefin für Kultur und Jugendbeim MDR, schwärmt: "Mit diesem Podcast knüpfen wir an unsere True-Crime-Erfolge wie kino.to an und holen wieder ein Stück aufregender DDR-Nachwendegeschichte ins Rampenlicht." Unister prägte den digitalen Aufbruch der Nuller und Zehnerjahre – spontane Onlinebuchungen, originelle Werbeclips mit Promis wie Michael Ballack, ganz neue Freiheitsgefühle beim Reisen. Gerade dieses Start-up-Flair, die Mischung aus jugendlichem Übermut und Geschäftssinn, zog an, erinnert sich auch Rainer Calmund. Heute wissen viele gar nicht mehr, dass dieses Imperium mal aus einem Wohnheim in Leipzig erwuchs und mit günstigen Reisen Millionen verdiente. Aber genau das macht die Erzähung spannend, denn Unister stand exemplarisch dafür, wie junge Leute im Osten nach 2000 etwas ganz Großes auf die Beine stellten. Ab 2011 geriet alles ins Wanken: Negativschlagzeilen, Ermittlungen, der Vorwurf unseriöser Geschäftspraktiken – die Endphase war laut Insidern von Angst, Hektik und Kontrollverlust geprägt. Ehemalige Unternehmensanwälte wie Michael Hummel sprechen im Podcast offen über ihre Zweifel und die Fehler im System. Der Schlussakt war kurz und bitter: Erst der dubiose Rip-Deal in Italien, dann der Absturz des Firmenjets – Unisters Zukunft besiegelt, bevor sie sich vielleicht retten konnte. Podcasterin Sophia Wetzke geht den Spuren nach: Manager, PR-Leute, Ermittler, Zeitzeugen erinnern sich, und natürlich kommt die große Frage auf: Wie konnte so ein Digital-Start-up eigentlich so dramatisch scheitern? Die Machtverhältnisse, das Geschäftsmodell, die Nähe zu Google und der Mythos um den tödlichen Flugzeugabsturz – all das wird neu beleuchtet. Wer Lust auf Zeitgeschichte und eine Prise Wirtschaftskrimi hat, sollte reinhören – ab 6. März in der ARD Audiothek.

Im Podcast „Ab in den Urlaub – Der Crash des Internet-Imperiums Unister“ wird detailreich die beispiellose Geschichte eines ostdeutschen Internet-Pioniers erzählt, der einst den Online-Reisemarkt revolutionierte und dann innerhalb weniger Jahre spektakulär zusammenbrach. Gäste aus Führungs- und Mitarbeiterkreisen beschreiben, wie anfangs eine Innovationswelle durch Leipzig schwappte, bevor Skandale, Ermittlungen und ein tragischer Jet-Absturz das Unternehmen in die Knie zwangen. Der Podcast versucht, das Geflecht aus Chancen, Fehlern, und äußeren Einflüssen zu entwirren – und tiefer auf das Zusammenspiel zwischen Start-up-Geist, Tech-Macht und menschlichen Schwächen einzugehen. Aktuelle Recherchen zeigen, wie die Aufarbeitung von ostdeutschen Digitalfirmen und die Nostalgie um Unternehmen wie Unister in den Medien Konjunktur haben. So verweisen mehrere Medien darauf, dass es auch einen Anstieg von Podcasts und Dokumentationen gibt, die sich mit östlichen Gründersagas, Wirtschaftskrimis oder tech-historischen Bruchstellen befassen. Dabei wird immer wieder die Frage laut, wie Unternehmensversagen in Verbindung mit Persönlichkeitsstrukturen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu setzen ist und wie sehr solche Geschichten gesamtdeutsche Entwicklungen widerspiegeln.

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