Als Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) seinen russischen Kollegen Sergej Lawrow am Rande der UN-Generalversammlung in New York traf, hallten die Reaktionen in Berlin rasch nach. Kaum war das Gespräch publik, unterstrichen die Grünen, wie bedeutsam sie den Dialog auf höchster Ebene empfinden – wohlwissend, dass konkrete Ergebnisse weniger zu erwarten waren.
Grünen-Vorsitzende setzt Zeichen
Franziska Brantner, eine ihrer lauteren Stimmen, lobte in der „Rheinischen Post“ das Engagement Wadephuls, stellte jedoch Tristesse fest: Die russische Haltung zeige unverändert, wie gering Putins Interesse an Verhandlungen sei. Niemand habe mit plötzlichen Zugeständnissen gerechnet, so ihre unausgesprochene Botschaft, doch ein Gespräch sei sinnvoller als gar keines.
Skepsis bleibt trotzdem: Putins Angriffsbefehle treffen die Ukraine, so Brantner, nach wie vor mit einer Härte, die ehrlichen Dialog als zynisch erscheinen lässt. Für sie bleibt klar – Deutschlands Job bleibt es jetzt ganz praktisch, der Ukraine unter die Arme zu greifen.
Schwachstelle Energie: Warnender Blick voraus
Gegenüber deutschen Medien hob Brantner die Überlebensfrage Ukrainischer Infrastruktur hervor: Es gehe diesen Winter nicht nur ums Überleben an der Front, sondern um Licht, Wärme, Perspektive. Putins Strategie – den Winter zum Verbündeten zu machen – steht für sie weiter ganz oben auf der russischen Liste.
Das Gespräch zwischen Wadephul und Lawrow, vielleicht eher ein diplomatischer „Boxenstopp“ als ein Meilenstein, dauerte ungefähr 20 Minuten. Es war der erste formale Kontakt auf Außenministerebene seit Beginn des Großangriffs 2022. Wer auf ein Wunder hoffte, wurde jedoch enttäuscht: Mehr als ein Öffnen der Leitung auf einer ansonsten toten Strecke war nicht zu erkennen – immerhin.
Kein Kurswechsel – aber Signale
Bedeutet das Treffen nun etwas grundsätzlich anderes für die deutsche Ukraine-Strategie? Eher nicht. Der Dialog mit Moskau ändert nichts am klaren Ziel, Kiew zu unterstützen. Gerade mit Blick auf die kalte Jahreszeit droht die russische Taktik, mit Energieangriffen Druck auf Bevölkerung und Wirtschaft zu erhöhen, mehr denn je zum Thema zu werden.
Deutschlands Dilemma bleibt: Es gilt, Gesprächsbereitschaft und Härte auszubalancieren, europäischen Schulterschluss zu organisieren und sich zugleich auf hybride Attacken vorzubereiten. Ein einzelnes Treffen öffnet einen Kommunikationsweg, rückt aber keinen Frieden näher – das klingt ernüchternd, ist es vielleicht auch. Doch Stillstand ist auch keine Option.
Presseschau: Widersprüchliche Erwartungen, wenig Bewegung
tagesschau: "Wadephul trifft überraschend Lawrow in New York" (26.09.2026) resümiert nüchtern: Viel Gespräch, wenig Annäherung, und Lawrows Auftritt vor der UN bleibt kompromisslos.
Deutschlandfunk: "Keine Annäherung zwischen Deutschland und Russland nach Treffen von Wadephul und Lawrow" (27.09.2026) sieht es ähnlich, aber hebt hervor: Kommunikation in schwierigen Zeiten bleibt wichtig, auch ohne Ergebnis.
Einigkeit gibt es in deutschen Medien über das Grundsätzliche: Reden ist besser als Schweigen, echte Fortschritte liegen aber noch in weiter Ferne. Die Deutung variiert – mal gelassener, mal strenger – je nach Zeitung und Standpunkt.