Wer in Deutschland im Notfall 112 wählt, weiß meist gar nicht, wie viel ehrenamtliche und professionelle Arbeit hinter dem Rettungsdienst steckt. Genau das macht ihn aber so verletzlich: Die großen Hilfsorganisationen – Arbeiter-Samariter-Bund, DLRG, DRK, Johanniter und Malteser – stemmen rund vier Fünftel aller Einsätze im Land. Sie stellen klar: Die Absicht der Regierung, die GKV-Ausgaben durch eine Deckelung auf die Grundlohnrate zu bremsen, könnte gravierende Nebenwirkungen haben. Denn faktisch werden Tariferhöhungen für die Mitarbeitenden im Rettungsdienst unter Umständen nicht mehr vollständig refinanziert – mit anderen Worten: Wenn die Löhne steigen, zahlen die Träger oder die Helfer selbst drauf.
Das reißt nicht nur ein Loch in die Kassen, es stellt auch die viel beschworene Tarifautonomie in Frage. Und ganz ehrlich: Wer will sich in einer wachsenden, alternden und zunehmend belasteten Gesellschaft von überforderten oder unterfinanzierten Rettungsteams versorgen lassen? Genau davor warnen die Verbände mit Nachdruck. Sie fordern daher eine Gesetzesänderung, etwa als Ergänzung im §133 SGB V, damit die Kosten tatsächlich gedeckt und die Notfallhilfe aufrechterhalten werden kann. Eigenartig eigentlich, dass wir uns bei der Feuerwehr keine Deckelung vorstellen können – beim Rettungsdienst scheint das politisch aber immerhin diskutabel zu sein. Etwas verwundert darf man schon sein.
Nicht zu vergessen: Ehrenamtliche und hauptamtliche Retter halten das System überhaupt am Laufen. Fast 700.000 Engagierte geben dem deutschen Rettungsdienst Rückgrat und Gesicht. Der aktuelle Vorschlag lässt viele von ihnen ratlos zurück. Muss die Rettung der GKV wirklich auf dem Rücken der Hilfsdienste ausgetragen werden?
Die fünf führenden deutschen Hilfsorganisationen warnen davor, dass die geplante Deckelung der Vergütung im Rettungsdienst durch die GKV zu einer empfindlichen Schwächung der Notfallversorgung führen kann. Sie betonen, dass insbesondere tariflich vereinbarte Lohnerhöhungen künftig nicht mehr ausreichend refinanziert würden, was nicht nur die Träger belastet, sondern auch die Qualität der Versorgung riskieren könnte. Eine gesetzliche Klarstellung zur vollständigen Finanzierung realer Kosten wird daher gefordert, um Versorgungslücken zu vermeiden und die Rettungsstruktur langfristig zu sichern.
Aktuelle Recherchen zeigen, dass auch der Hausärztemangel und Fachkräftemangel im Gesundheitssektor sich zuspitzen: Laut 'Tagesspiegel' und 'Süddeutsche Zeitung' verstärken Personalengpässe die Belastung auf den Rettungsdienst, besonders weil Kliniken Notaufnahmen schließen oder Kapazitäten reduzieren müssen. Die 'Deutsche Welle' berichtet, dass sich die Arbeitsbedingungen von Rettungskräften in den vergangenen Jahren verschlechtert haben: Hohe Einsatzfrequenz, psychische Belastungen und unzufriedenstellende Bezahlung führen zu hohen Fluktuationen im Team, während die Einsatzzahlen steigen. Politisch wird über die langfristige Finanzierung des Gesundheitswesens und zielgerichtete Reformen diskutiert, wobei Experten vor "Einsparungen auf Kosten der Sicherheit" warnen – so die 'FAZ', die sich auf die Stimmen mehrerer Verbände und Gesundheitsökonomen beruft.