Zuckersteuer: Gespaltene Bilanz und Startschuss 2027

Ab Sommer 2027 tritt in Deutschland eine neue Zuckerabgabe in Kraft. Während Großkonzerne wie Coca-Cola und Pepsi künftig tiefer in die Tasche greifen müssen, profitieren kleine Betriebe von großzügigen Ausnahmeregelungen.

heute 18:35 Uhr | 2 mal gelesen

Zum 1. Juli 2027 bekommt Deutschland eine Zuckersteuer – allerdings nicht so, wie sie in frühen Plänen kursierte. Ein durchaus politischer Kompromiss ersetzt das alte dreistufige Modell: Nun gibt’s nur noch zwei Steuersätze – weniger komplex, aber auch etwas zahmer als zunächst gedacht.

Kleine Player: Mit Freigrenze aufatmen

Wer als Getränkehersteller weniger als 70.000 Liter im Jahr produziert, bleibt verschont – vorerst zumindest. Es steht sogar die Überlegung im Raum, die Grenze auf eine Million Liter anzuheben, falls europäisches Recht das zulässt. Für viele kleine und mittelständische Betriebe, oft familiengeführt, wäre das eine Erleichterung. Die Großen allerdings, sagen wir mal, die üblichen Verdächtigen aus der Welt der Softdrinks, dürfen sich schon mal auf saftige Beiträge einstellen.

Nur noch zwei Stufen – statt Zucker-Schockstarre

Ab einem Zuckergehalt von 4,5 Gramm pro 100 Milliliter werden 26 Cent pro Liter fällig. Wer über 7 Gramm landet, zahlt 32 Cent. Die härtere Stufe für richtig zuckerhaltige Limos ist vom Tisch – wohl nicht zuletzt aufgrund zäher politischer Auseinandersetzungen. Einerseits klingt das, als hätte sich die Lobbyarbeit der Branche bezahlt gemacht, andererseits bleibt die Grundfunktion erhalten: Die Staffelung nach Zuckergehalt bleibt, damit Verbraucher beim Preis den Unterschied schmecken. Nun ja, oder zumindest bezahlen.

Gesundheit oder Staatshaushalt?

Worum geht's eigentlich – um fittere Menschen oder mehr Geld im Staatssäckel? Ehrlich gesagt beides. Die neue Abgabe folgt den Ratschlägen der Gesundheitskommission, bleibt aber praktikabel. Wie viel die Steuer im Supermarkt spürbar wird, hängt am Ende davon ab, wie gnadenlos die Hersteller die höheren Kosten weiterreichen – oder ob sie sich eben kreativ durch Rezeptänderungen winden.

Schiebt Brüssel noch einen Riegel vor?

Zurück zu den kleinen Unternehmen: Dass die Freigrenze noch bis auf eine Million Liter steigen könnte, ist ein bemerkenswerter Twist. Allerdings feuert die EU hier noch nicht endgültig aus allen Rohren – Prüfung läuft. Die Bundesregierung versucht durch diesen Kompromiss, die schlimmsten Bedenken beider Seiten einzufangen. Wie das Gesetz schlussendlich aussieht und was das für die Getränkeregale bedeutet? Tja, diesmal wird sich wohl erst in Verordnungen und Praxis zeigen, ob die Steuer hält, was sie verspricht.

Neues Zuckersteuermodell in Deutschland
Ab Juli 2027 tritt eine abgestufte Zuckersteuer in Kraft: Getränke mit über 4,5 Gramm Zucker/100 ml werden mit 26 Cent/Liter belegt, ab 7 Gramm mit 32 Cent. Eine eigentlich geplante dritte Stufe für extrem gesüßte Getränke entfällt nach Koalitions-Kompromiss; kleine Hersteller mit weniger als 70.000 Litern werden vorerst ausgenommen, baldige Prüfungen könnten diese Grenze noch deutlich erhöhen.

Interessanterweise ist Deutschland damit nach jahrelangem Zögern im europäischen Vergleich Nachzügler – Nationen wie Großbritannien oder Frankreich sind Vorreiter, haben bereits massive Rückgänge beim Zuckergehalt von Softdrinks verzeichnet und diskutieren Folgeregulierungen für noch mehr Wirkung.

Neue Details ergeben sich aus dem Medienmonitoring: Nach aktuellen Berichten war die Einigung überraschend schnell erzielt, nachdem SPD und FDP Wochen lang gestritten hatten. Kritiker warnen dennoch, dass das Modell zu zahm für echte Lenkungswirkung sein könnte und sehen Nachbesserungsbedarf bei Grenzwerten und Kontrollmechanismen (vgl. Quelle: ZEIT ONLINE), während Wirtschaftsverbände befürchten, die Steuer gefährde Arbeitsplätze im Getränke-Sektor (vgl. Quelle: FAZ). Verbraucherschützer jedoch begrüßen die Richtungsentscheidung und verweisen auf positive Erfahrungen in anderen Ländern wie Mexiko, vorausgesetzt flankierende Aufklärungskampagnen begleiten das Gesetz (vgl. Quelle: SPIEGEL ONLINE).

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