Alte Rentengeschenke: Caritas-Experte nimmt Regierung ins Visier

Georg Cremer, einst an der Spitze der Caritas, setzt sich kritisch mit den Einwänden der Länderchefs gegen die Empfehlungen der Rentenreformer auseinander.

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Das gegenwärtige Rentensystem verschafft vor allem Besserverdienenden einen Vorteil, während die Allgemeinheit die Rechnung zahlt – so das Urteil Georg Cremers im Gespräch mit dem 'Focus'. Er hält die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren für eine schnelle Passage in den Ruhestand privilegierter Gruppen. Die lange Versicherungszeit korreliere mit höheren Löhnen und einem gut gepolsterten Polster, das ärmeren oder gesundheitlich Belasteten selten offensteht. "Vom sprichwörtlichen Bauarbeiter bis zur Pflegekraft – viele mit schweren Jobs kommen erst gar nicht auf 45 Jahre," merkt Cremer spitz an. Seitdem es diese Regel gibt, hätten fast drei Millionen davon profitiert – oft Menschen mit guter Ausbildung und stabiler Gesundheit, die freiwillig aus dem Arbeitsleben ausgeschieden sind. Mit der Möglichkeit des unbegrenzten Hinzuverdiensts entstehe sogar ein Anreiz, möglichst früh die Rente einzustreichen, um dann weiterzuarbeiten. Für Menschen, denen der Körper einen Strich durch die Rechnung macht, empfiehlt die Kommission eine Einzelfallprüfung für echte Härtefälle – also, so Cremer, keineswegs 'sozial taub'. Dass Ministerpräsidenten die Lebensleistung in den Vordergrund stellen, kritisiert er: Warum sei jemanden, der nach 42 Jahren aufhöre, weniger wert? Die 45 sei ein willkürlich gezogenes Lineal, das bloß ein Gefühl bediene.

Im Kern argumentiert Cremer, dass die aktuelle Form der abschlagsfreien Rente soziale Ungerechtigkeiten zementiert, indem sie Gutverdienern Extravorsorge gewährt und gleichzeitig viele körperlich hart arbeitende Menschen ausschließt. Er fordert eine gerechtere Berücksichtigung individueller Lebens- und Gesundheitslagen statt pauschaler Grenzen; die Empfehlungen der Rentenkommission gehen bereits in diese Richtung. Cremers Kritik an der politischen Symbolik der 45-Jahre-Regel findet mittlerweile auch in anderen Sozialverbänden und Teilen der Wissenschaft Resonanz. In aktuellen Berichten wird zudem hervorgehoben, dass sich die Rentenfinanzierung in Deutschland zunehmend verschärft, da mehr Menschen früher und länger Rente beziehen – laut einer Analyse aus der 'Süddeutschen Zeitung' droht ab 2028 eine Finanzierungslücke im zweistelligen Milliardenbereich. Sozialverbände und Ökonomen fordern deshalb strukturelle Reformen, etwa ein flexibles Renteneintrittsalter oder eine grundsätzliche Überarbeitung der Hinzuverdienstregeln, wie unlängst in der 'FAZ' und 'Die Zeit' diskutiert. Laut einem aktuellen Bericht von 'Spiegel Online' rückt das Thema Rentengerechtigkeit wegen des demografischen Wandels und der globalen Krisenlage verstärkt auf die politische Agenda.

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