Steffen Bilger wirkt entschlossen: Das ihm anvertraute Budget für Verkehrsinfrastruktur soll nicht auf dem Papier versauern, sondern in handfesten Projekten spürbar werden. "Mein Job heißt vor allem: Die Milliarden für Straßen- und Schienennetze auch wirklich in Bewegung bringen", erklärte er halb nüchtern, halb ambitioniert in den ARD-"Tagesthemen". Deutschlands Mobilität stecke an einer Weggabelung, und Bilgers Ziel sei, dass die Menschen im Alltag tatsächlich Verbesserungen bemerken – nicht nur in Hochglanzstatistiken.
Es ist kein Heimspiel, in das Bilger da schlüpft. Sein Vorgänger Patrick Schnieder hat das Ministerium abrupt verlassen, die Baustellen – im wörtlichen und übertragenen Sinne – sind zahlreich. Über frühere Verfehlungen schweigt Bilger lieber, er will sich jedoch daran messen lassen, ob es ihm gelingt, die Infrastruktur aus der Dauerkritik herauszuholen.
Bilger hat für die kommenden vier Jahre einen riesigen Topf: Etwa 170 Milliarden Euro sollen ins Verkehrsnetz fließen. Der Plan? Nicht einfach nur Geld verteilen, sondern Straßen, Gleise und Wasserwege zukunftsfest machen – auch wenn das in der Bauphase erstmal Staus, Umleitungen und genervte Reisende bedeuten könnte. Nur langfristig, so der Minister, zahlt es sich dann aus.
Seit 2009 sitzt Bilger im Bundestag, war schon mal parlamentarischer Staatssekretär im selben Ressort; er weiß also, wie der Apparat tickt. Nach eigener Aussage fühlt sich die Rückkehr ins Ministerium fast familiär an. Die Tatsache, dass er zunächst als zweite Wahl galt, macht ihm nichts aus – "In der Politik gibt's viele Talente, wichtig ist die Aufgabe", so Bilger, der lieber nach vorn schaut als über verpasste Chancen grübelt.
Einen Selbstläufer hat er in der eigenen Partei nicht. Unions-Fraktionschef Thorsten Frei wurde zwar breit gewählt, aber es gibt an der Parteibasis durchaus kritische Töne. Bilger setzt trotzdem auf "offene Gespräche" und betont: "Kritik gehört dazu, solange sie nicht destruktiv wird." Veränderung verlangt eben auch ein bisschen Streitkultur.
Ein Herzensthema bleibt für den Schwaben die Automobilindustrie – gerade in seiner Heimat Baden-Württemberg wackeln Hunderttausende Jobs. Bilger glaubt, dass der Wandel nur mit Innovationen und smarten Ideen nachhaltig gelingen wird. Seine frühere Ministerialerfahrung – turbulent genug mit Maut-Streit, Abgasaffäre und Pandemie – prägt heute sein Verständnis für die Herausforderungen. Ohne Patentrezept, aber mit einer deutlichen Portion Realismus.
Steffen Bilger, der neue Verkehrsminister, stellt sich auf schwierige Jahre ein – mit gewaltigen Finanzmitteln soll er Deutschlands Infrastruktur fit machen. Teamwork in der Politik und der Mut zu Anpacken stehen dabei deutlich im Vordergrund, doch der öffentliche Druck ist erheblich. Bilger will besonders auch die Automobilbranche im Süden stärken und blickt auf frühere Erfahrungen zurück, muss aber inmitten parteiinterner Diskussionen und einer sehr kritischen Öffentlichkeit beweisen, dass er den Modernisierungsschub tatsächlich liefern kann.
Aktuell wird in zahlreichen deutschen Medien die Debatte um den schleppenden und teils chaotischen Ausbau der Verkehrsinfrastruktur heiß diskutiert – etwa um marode Autobahnbrücken, überlastete Bahnnetze und dringend nötige Digitalisierungen. Auch auf die Autoindustrie, die unter Transformationsdruck und globalem Wettbewerb leidet, richtet sich hohe Aufmerksamkeit. In mehreren jüngsten Kommentaren wird Bilgers Start als "Sprung ins kalte Wasser" bewertet, während gleichzeitig Hoffnung auf nachhaltige Veränderungen nach Jahren des Stillstands wächst.