Befristete Arbeitsverhältnisse in Deutschland: Leichter Rückgang, viele Facetten

Im Jahr 2025 hatten rund 2,2 Millionen Menschen in Deutschland einen befristeten Job – das zeigt der aktuelle Mikrozensus. Doch hinter den Zahlen steckt mehr als nur Statistik.

heute 08:36 Uhr | 2 mal gelesen

Wenn man ehrlich ist, klingen 2,2 Millionen befristet Beschäftigte erstmal ziemlich nüchtern – eine Zahl unter vielen vielleicht. Doch während ich die neuen Mikrozensus-Daten des Statistischen Bundesamts lese, frage ich mich: Wer steckt dahinter? Tatsächlich machen diese Arbeitsverhältnisse derzeit etwa 6 Prozent aller sogenannten Kernerwerbstätigen im Alter von 15 bis 64 Jahren aus, also Menschen, die nicht mehr zur Schule gehen, studieren oder im Freiwilligendienst sind. Ein bisschen beruhigend ist, dass es 2015 noch 7 Prozent waren – ein kleiner, aber immerhin sichtbarer Rückgang. Zwischen Frauen und Männern ist übrigens kaum ein Unterschied: Frauen liegen mit 6,2 Prozent leicht über den Männern (5,7 Prozent). Gemeinsam mit Teilzeitkräften (unter 20 Wochenstunden), Mini-Jobbern und Zeitarbeitenden gehören sie zur bunten, manchmal wackeligen Gruppe der 'atypisch Beschäftigten' – 6,4 Millionen Menschen oder 17,2 Prozent der Kernerwerbstätigen fallen 2025 hierunter. Auch bei den anderen Sonderformen war der Rückgang stärker: Mini-Jobs und kurze Teilzeit wurden seltener, bei der Zeitarbeit gab’s einen leichten Anstieg. Am deutlichsten zeigt sich: Wer jünger ist, landet öfter befristet. Fast jeder fünfte Job-Starter bis 25 wird erstmal nur auf Zeit eingestellt. Irgendwie logisch, denn der Sprung vom Lernen ins Arbeiten ist meist nicht direkt eine Festanstellung. Mit steigendem Alter wird es entspannter: Von den 55- bis 65-Jährigen hängen nur knapp 3 Prozent in der Befristung fest. Bildung spielt ebenfalls eine Rolle – je niedriger der berufliche Abschluss, desto häufiger das befristete Arbeitsverhältnis (über 11 Prozent). Wer dagegen eine Ausbildung, ein Studium oder ein Meisterabschluss hinter sich hat, ist nur zu etwa 6 Prozent betroffen. Spannend wird es auch beim Blick auf die Branchen: Der Bildungsbereich, das Hotel- und Gastgewerbe sowie Kunst und Unterhaltung tun sich besonders hervor. Es gibt offenbar Branchen, da gehört die Unsicherheit zum Alltag. Andere, etwa Bau oder Finanzen, kommen mit Mini-Anteilen von 2,5 Prozent aus – eine andere Welt. Und warum lassen sich Menschen überhaupt auf solche Arrangements ein? Nahezu ein Drittel blieb gar keine Wahl, weil die Stelle nur befristet ausgeschrieben war. Probezeiten, Ausbildung, fehlende Alternativen – alles spielt mit hinein. Manche (übrigens deutlich unter 3 Prozent) entscheiden sich sogar freiwillig für einen befristeten Vertrag. Über die Hälfte muss sich allerdings darauf einstellen, dass nach weniger als einem Jahr schon wieder Schluss ist – von echter Planbarkeit also keine Spur. Und doch: Es gibt auch lange Laufzeiten und nicht selten ganz persönliche Geschichten hinter der Statistik. So gesehen ist das Thema befristete Arbeit ein echtes Kaleidoskop – bunt, manchmal schillernd, aber oft auch mit einem mulmigen Gefühl.

Unterm Strich lässt sich sagen: Der Anteil der befristet Beschäftigten in Deutschland ist in den letzten Jahren gesunken, was auf eine gewisse Stabilisierung des Arbeitsmarktes hindeutet. Dennoch bleibt befristete Beschäftigung besonders für Jüngere und Geringqualifizierte ein echtes Risiko – und der Unterschied zwischen den Branchen ist teils gravierend. Verträge laufen meist nur kurz, was Planung und Sicherheit für viele erschwert. Neue Recherchen zeigen außerdem, dass politische Debatten um eine Reform des Befristungsrechts weitergehen und manche Branchen gezielt befristete Verträge als Flexibilisierungsinstrument nutzen. Gerade im Bildungssektor und bei öffentlichen Arbeitgebern ist der Anteil befristeter Verträge besonders auffällig, was Gewerkschaften und Beschäftigtenvertreter immer wieder kritisieren. Studien weisen zudem auf psychosoziale Folgen dauerhaft unsicherer Erwerbslagen hin, so etwa erhöhte Stress- und Belastungswerte bei Betroffenen.

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