Mit unnachgiebiger Haltung erklärte Bilger am Donnerstag im Interview bei RTL und ntv ('Frühstart'), dass er überzeugt sei: Ein Tempolimit werde es in dieser Legislatur nicht geben – jedenfalls nicht, während die große Koalition aus Union und SPD am Drücker ist. Ihm persönlich sei die Vorstellung, der deutschen Autobahn pauschal ein Tempolimit zu verpassen, schlicht fremd. Eigenartigerweise klingt das fast wie ein emotionales Bekenntnis: "Ich kann damit nichts anfangen." Seiner Ansicht nach gebe es in Deutschland im europäischen Vergleich ohnehin ausgesprochen wenige Verkehrstote – trotz oder wegen der freien Fahrt – wie er betont: Die hiesigen Autobahnen seien, Zahlen zufolge, sicherer als mancherorts in Europa, wo strenge Limits gelten. Statt auf pauschale Begrenzungen zu setzen, hält Bilger viel von flexiblen Lösungen: Moderne Telematik macht die Geschwindigkeit ohnehin schon vielerorts vom Verkehr und Wetter abhängig – und genau das sei, so Bilger, der klügere Ansatz.
Dennoch: Das statistische Bild ist mehrdeutig. Laut Destatis wurden 2022 auf deutschen Autobahnen pro 1.000 Kilometer 23,9 Todesfälle gezählt – im europäischen Vergleich ist das Mittelfeld, wohlgemerkt als einziges Land ohne allgemeines Limit. Belgien landet mit 48,8 Toten an der Spitze, Schweden als vorbildlicher Gegenentwurf liegt mit 2,7 Toten ganz unten. Studien indes widersprechen dem Status quo: Ein Tempolimit (zum Beispiel 120 km/h) könnte Berechnungen zufolge bis zu 35 Prozent weniger Verkehrstote zur Folge haben, sagt zumindest die Ruhr-Universität Bochum. Auch ökologisch wäre es ein Einschnitt: Laut Umweltbundesamt ließen sich jährlich über sechs Millionen Tonnen CO2 sowie fast drei Milliarden Liter Kraftstoff sparen. Das Thema spaltet – und für manche ist diese Debatte längst mehr als nur eine Frage der Fahrphysik.
Der frisch ins Amt gewählte Bundesverkehrsminister Bilger bleibt beim Thema Tempolimit stur und sieht keinerlei Chancen für eine Einführung während der aktuellen Regierungsperiode von CDU und SPD. Er verweist auf die Sicherheit deutscher Autobahnen im europäischen Vergleich und argumentiert, dass moderne Technik (wie Telematikanlagen) die bessere Lösung sei. Trotz wiederholter Hinweise auf Unfallstatistiken und Umweltvorteile, bleibt die politische Front gegen eine generelle Geschwindigkeitsbegrenzung hart, wobei die gesellschaftliche und wissenschaftliche Diskussion – insbesondere über Klimaschutzeffekte und Verkehrssicherheit – lebendig bleibt.
Recherchen aktueller Beiträge zeigen, dass die Debatte weiterläuft: In Artikeln der letzten 48 Stunden gibt es eine fortwährende, auch innerparteiliche Auseinandersetzung um Tempolimits, die häufig mit Klimaschutz, Unfallprävention und rechtlich-politischen Hürden zusammenhängt. Zugleich ist der Druck internationaler Beispiele und aktueller Studien Ergebnisse spürbar. Es scheint, als ob das Thema auf unbestimmte Zeit zwischen Statistik, Ideologie und Alltagsrealität pendeln wird.