Bundeswehr sucht Kontakt zu früheren Wehrdienstleistenden

In einem neuen Versuch, Reservisten zu gewinnen, kontaktiert das Verteidigungsministerium jetzt verstärkt Männer, die ihren Wehrdienst bereits absolviert haben.

heute 15:42 Uhr | 2 mal gelesen

Konkreter läuft seit Juli eine breit angelegte Anschreibaktion: Ehemalige Wehrdienstleistende – egal, ob sie sich noch an ihre Grundausbildung mit Schrecken oder mit Wehmut erinnern – finden plötzlich Post von der Bundeswehr im Kasten. Bastian Ernst, der seit Kurzem den Reservistenverband anführt, hofft darauf, dass sich möglichst viele an das 'Wir-Gefühl' ihrer Dienstzeit erinnern und sich freiwillig wieder zur Verfügung stellen. Ein neues Reservestärkungsgesetz soll grundsätzlich mehr Verbindlichkeit schaffen, ist jedoch noch nicht durch den Bundestag. Rückwirkend trifft es die Angeschriebenen allerdings nicht – das war übrigens ein politischer Kuhhandel mit der SPD. Deshalb bleibt man bei Freiwilligkeit, aber eben mit mehr Nachdruck: Briefe statt Zwang. Ernst glaubt zwar, dass die Bundeswehr ihre Reservistenziele dieses Jahr noch erreichen könnte, aber auf die lange Sicht? Da ist er skeptisch. Bis 2035 sollen ambitionierte Sollzahlen erreicht werden, allerdings drohen bei Verfehlung strengere Maßnahmen, Stichwort: Bedarfswehrpflicht. Wer genauer hinschaut, erkennt: Zwischen Wunsch und Wirklichkeit klafft eine Lücke.

Die Bundeswehr steht angesichts des sicherheitspolitisch aufgeheizten Klimas unter Zugzwang, ihre Personaldecke zu stärken. Besonders im Kontext internationaler Spannungen – etwa angesichts des Krieges in der Ukraine und veränderten Sicherheitslagen – wächst der Druck, mehr Reservisten zu aktivieren. Online mehrten sich in letzter Zeit Stimmen, die das Werben um frühere Wehrdienstleistende als halbherzig bezeichnen: Während auf der einen Seite der Bedarf der Truppe wächst, kritisieren viele Veteranen fehlende echte Anreize oder Perspektiven nach der Rückkehr. Unterdessen sind Sicherheitsexperten und Politiker gleichermaßen besorgt, dass die Personalziele realistisch nicht zu erreichen sind, zumal Nachwuchs und die Attraktivität des Dienstes nach wie vor Baustellen bleiben. Immerhin zeigt die Flut der offiziellen Briefe: Die Bundeswehr sucht – ähnlich wie ein altes Orchester, das seine erfahrenen Mitglieder zurückholen möchte – aktiv den Draht zu ihrer Basis.

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