Ganz ehrlich – die Rückkehr zur Wehrpflicht, das ist nichts, was von heut auf morgen geschieht, meint Klaus Naumann. Der Zwischenschritt, wie ihn Pistorius nun vorschlägt, also freiwillig dienen statt verpflichten, mag kurzfristig sinnvoll wirken. Aber kaum jemand antwortet wirklich positiv auf diese vielen verschickten Formulare – 300.000 Briefe, nur ein Tropfen davon sagt ja. Das sieht nicht nach großem Tatendrang aus. Was die Armee braucht, sind junge Leute mit Motivation, mit Sachverstand, nicht bloß solche, die woanders wenig Chancen sehen.
Die ehemals allgemeine Wehrpflicht hat für einen Nachschub gesorgt, von dem man heute scheinbar nur noch träumen kann: Ein Fünftel der Offiziere und sogar fast die Hälfte der Unteroffiziere rekrutierten sich früher aus den Wehrdienstleistenden. "Das sind Zahlen, von denen heute jeder Minister nur schwärmen kann", so Naumann. Ob Deutschland aber für neue Bedrohungen gewappnet sei? Er hat da große Zweifel. Nicht sicher, ob wir als Gesellschaft an die eigene Verteidigungsbereitschaft glauben – zu lange herrschte die Illusion vom "Ewigen Frieden". Daher ist für Naumann eines klar: Die Frage nach einer allgemeinen Dienstpflicht ist längst noch nicht vom Tisch.
Wenn der Verteidigungsminister von "Kriegstüchtigkeit" spricht, sei das vielleicht eine schockierende, aber notwendige Erinnerung – so wie ein kalter Wasserschwall ohne Vorwarnung. Die Bundeswehr müsse eben tatsächlich auf einen bewaffneten Konflikt vorbereitet sein, um ihn im Ernstfall abzuwehren. Rückblickend kritisiert der Ex-Generalinspekteur, dass man sich zu sehr auf Auslandseinsätze verlassen habe. Manches – wie das Abwickeln der Heeresflugabwehrtruppe – wäre im Nachhinein betrachtet wohl keine kluge Entscheidung gewesen, gerade jetzt, wo Drohnenangriffe ein Thema sind.
Klaus Naumann, vormals Chef der Bundeswehr, hält den derzeitigen freiwilligen Wehrdienst für ein Zwischenspiel auf dem Weg zu einer allgemeinen Dienstpflicht. Die mäßige Resonanz junger Leute auf den neuen Dienst mache deutlich, dass größere Reformen – vielleicht sogar die Wiedereinführung der Wehrpflicht – bevorstehen könnten. Naumann hebt hervor, wie wichtig motivierter und gut ausgebildeter Nachwuchs für die Sicherheit ist, und bezweifelt, dass die Bevölkerung ausreichend auf neue Gefahrenlagen vorbereitet ist. In aktuellen Diskussionen wurde der Verteidigungsminister für Forderungen nach einer "kriegstüchtigen" Bundeswehr kritisiert, doch viele Experten halten dies vor dem Hintergrund geopolitischer Spannungen für notwendig. Seit Bekanntgabe der Wehrdienst-Pläne mehren sich Berichte über Nachwuchsprobleme, Rekrutierungsengpässe und eine tiefe gesellschaftliche Debatte, ob ein verpflichtender Dienst für alle überhaupt mit demokratischen Werten in Einklang steht. Betrachtet man die jüngsten Reformvorschläge und die breite Skepsis in der Bevölkerung, bleibt offen, ob eine allgemeine Wehr- oder Dienstpflicht tatsächlich kommt – und wenn ja, in welcher Form. Neue Artikel betonen, dass Deutschlands Verteidigungsfähigkeit und die Bereitschaft der Jugend, Verantwortung zu übernehmen und Opfer zu bringen, auf dem Prüfstand stehen.