Kampf um bezahlbares Tanken: Rehlinger fordert Spritpreisbremse und europaweite Übergewinnsteuer

Anke Rehlinger, Ministerpräsidentin des Saarlands, macht Druck auf die Bundesregierung: Sie verlangt einen baldigen Tankrabatt und einen Spritpreisdeckel nach Luxemburger Muster. Gleichzeitig plädiert sie für eine europäische Übergewinnsteuer, während Grünen-Vertreter den Tankrabatt als wenig effektiv ablehnen.

heute 21:59 Uhr | 2 mal gelesen

Eine Mischung aus Sorge und Ungeduld: Saarlands Regierungschefin Anke Rehlinger (SPD) ruft nach einem schnellen Tankrabatt und schlägt einen Spritpreisdeckel à la Luxemburg vor. Nicht genug, sie fordert außerdem eine europaweite Übergewinnsteuer – ein Plan, der Ölgesellschaften ins Visier nimmt.

Wachsende Not bei Autofahrerinnen und Autofahrern

"Im Moment zahlen vor allem Menschen mit täglichem Auto-Zwang die Zeche – für internationale Krisen und Gier der Konzerne", so Rehlinger gegenüber dem "Tagesspiegel". Die extremen Preise, die an deutschen Zapfsäulen aufgerufen werden, würden Normalverdienende schlicht überfordern. Die Bundesregierung hätte aus ihrer Sicht schneller handeln und nicht erst die Lage weiter eskalieren lassen dürfen. Vielleicht ist das rückblickend auch leicht gesagt, aber: Die Verärgerung wächst, je länger die Tankquittung nur nach oben zeigt.

Luxemburg als Vorbild und der Tankdeckel

Dass der Saarländische Vorschlag kein akademisches Gedankenspiel ist, zeigen die Nachbarn in Luxemburg. Dort bremst ein staatlich kontrollierter Spritpreisdeckel Preisausreißer ab – offensichtlich, ohne das Rad gleich in Richtung Planwirtschaft zurückzudrehen. Für Pendler oder Landbewohner*innen könne das kurzfristig 17 Cent pro Liter weniger bedeuten – kein Vermögen, aber im Alltag spürbar.

Mehr noch: Übergewinne abschöpfen

Rehlinger will darüber hinaus in großem Maßstab ran: Die Bundesregierung solle, so ihr Appell, gemeinsam mit Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) in der EU Druck machen, damit eine Übergewinnsteuer kommt. Klartext: Die Staaten sollen nicht weiter sparen, während Ölmultis Rekorde einfahren. Ob da tatsächlich Geld bis zu den Ländern durchgereicht wird, bleibt aber abzuwarten. Immerhin, sagt sie, gäbe es keine andere Möglichkeit, kurzfristig zu entlasten – aber mittel- bis langfristig müsse auch die private Mineralöllobby endlich bezahlen.

Sticheln gegen die Umsetzung

Angespannt wirkt der Ton, wenn sie Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) klar auffordert, jetzt "nicht zu zögern, sondern entschlossen umzusetzen." Rehlinger schaut skeptisch auf Berlin und fordert, dass die Entlastungen nicht nur auf dem Papier landen, sondern "wirklich an den Zapfsäulen ankommen".

Die Grünen fahren einen anderen Kurs

Anders sehen das die Grünen in Mecklenburg-Vorpommern: Spitzenkandidatin Claudia Müller hält den Tankrabatt für am Ziel vorbei, weil er zwar kurzfristig hilft, aber vor allem Konzerne profitieren lässt. Für sie wäre eine gesenkte Stromsteuer gezielter, und die Debatte um die Übergewinnsteuer solle ehrlich geführt werden. Außerdem, so ihr Einwand: Ein Tankrabatt behebt nicht, dass wir weiterhin abhängig von Öl und Gas sind. Vielleicht auch eine Art Wahrheit zwischen den Zeilen: Das komplexe Problem verlangt mehr als simple Preisbremsen.

Heiß diskutiert – kurz und langfristig

Die politische Debatte ist entsprechend zersplittert: Neben Tankrabatt und Preisdeckel stehen Steuer- und Direktzahlungen sowie auch ÖPNV-Vergünstigungen im Raum. Während SPD-Politikerinnen den Deckel und die Übergewinnsteuer favorisieren, möchten andere erst mal Steuern zeitweise senken und gezielt schwächere Haushalte unterstützen. Expertinnen argumentieren, dass Tankrabatte nur teils bei den Menschen ankommen – ein Teil der Hilfen verschwinde in Konzerngewinnen, was wiederum Wasser auf die Mühlen der Kritiker bedeutet. Es ist so ein klassischer Flickenteppich an Ideen, aus dem bislang keine perfekte Lösung heraussticht.

Europäische Praxis und Chancen

Blick auf Luxemburg: Dort funktioniert das Preisbremsen einigermaßen. Und auch andere EU-Länder erproben bereits verschiedene Modelle und Steuerkniffe zur Entlastung – allerdings sind einheitliche Übergewinnsteuern noch Zukunftsmusik, und eine gemeinsame Steuerpolitik ist immer ein Politikum. Das eigentliche Dilemma bleibt: Wer zu lange zögert, belastet Pendler, Logistiker und Leute auf dem Land weiter – und bessert kurzfristig, ohne an der Abhängigkeit von fossilen Energien zu sägen.

Knackpunkt: Wer profitiert wirklich?

Um es auf den Punkt zu bringen: Der Vorstoß von Rehlinger für einen Tankrabatt und Preisdeckel ist ein Signal an Pendler und Geringverdienende – aber keineswegs unumstritten. Die Gegenargumente der Grünen und von Ökonomen, dass vor allem Mineralölkonzerne profitieren könnten, tauchen inzwischen immer häufiger auf. Auch neue Rechercheberichte bestätigen, dass viele Tankstellen die staatlichen Erleichterungen kaum weitergeben: Die Klage über Mitnahmeeffekte wächst (Quelle: Spiegel).

Schub für die Übergewinnsteuer?

Europaweit flammt die Diskussion um die Übergewinnsteuer auf – etwa Italien und Großbritannien haben schon Modelle eingeführt, nun steht Deutschland unter internationalem Zugzwang. Dass die Bundesregierung bei der EU einen Anlauf wagt, wäre zumindest ein Schritt in Richtung mehr Gerechtigkeit. Ob die Einnahmen am Ende wirklich gezielt verteilt werden, bleibt aber eine der großen Baustellen (Quelle: Süddeutsche Zeitung).

Neue Entwicklungen dieser Woche

Erst gestern berichtete die Deutsche Welle, dass die Debatte um steuerliche Entlastungen und Spritpreise mit neuen Zahlen zur Preisentwicklung aufgeladen wird. Die Sorgen um steigende Lebenserhaltungskosten wachsen quer durch alle Schichten, und die Forderungen nach einer zügigen Entscheidung mehren sich – ob Tankrabatt, Preisdeckel oder Übergewinnsteuer, Hauptsache schnell. Im Hintergrund laufen Verhandlungen zwischen Bund, Ländern und EU auf Hochtouren (Quelle: DW).

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