Linnemanns zentraler Punkt berührt die seit langem schwelende Diskussion, dass gerade in Deutschland Normalverdiener und der Mittelstand häufig als Hauptfinanzierer staatlicher Reformen herangezogen werden. In der derzeitigen wirtschaftlichen Gemengelage – eine schleppende Konjunktur, anhaltende Inflation und drohende Zinserhöhungen durch die Europäische Zentralbank – warnt er vor weiteren Belastungen. Laut aktuellen Berichten aus mehreren Medien wird die Frage der gerechten Lastenverteilung auch in weiteren politischen Lagern immer lauter diskutiert: Während SPD und Grüne auf gezieltere Entlastungen für Geringverdiener drängen, fürchtet die Union insbesondere um die Wettbewerbsfähigkeit der eigenen Wirtschaft (vgl. aktuelle Artikel auf zeit.de, faz.net und spiegel.de). Zudem lenken sie das Augenmerk auf die Abwanderungstendenzen im Hochverdienerbereich, was etwa durch den Migrationstrend nach Österreich und die Schweiz in den letzten Jahren verstärkt beobachtet wird. Bei der Einkommensteuerreform deutet sich bereits eine Richtungsdebatte an: Ist die Mittelschicht wirklich noch der stabile ‚Motor‘, oder beginnt dort das Vertrauen in die Politik zu bröckeln? Gerade verweisen verschiedene Leitartikel auch darauf, dass international die Steuerpolitik oft zur Konjunkturbelebung genutzt wird und eine ähnliche Grundhaltung nun auch in der deutschen Union diskutiert wird.