Ministerpräsident in Sachsen-Anhalt: Wagenknecht sieht Siegmund-Wahl als realistisch an

Im Landtag von Sachsen-Anhalt bräuchte die AfD für Ulrich Siegmund drei Stimmen von außerhalb der eigenen Reihen. Sahra Wagenknecht und das BSW wollen sich enthalten – präferieren aber einen überfraktionellen Regierungschef.

06.10.26 17:32 Uhr | 15 mal gelesen

Sahra Wagenknecht, die bekannte Mitgründerin des Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW), hält es durchaus für möglich, dass der AfD-Politiker Ulrich Siegmund bei der Ministerpräsidentenwahl im Dezember das Rennen macht – zumal nach Tobias Rauschs überraschender Wahl zum Landtagspräsidenten. Gleich im ersten Satz zum Thema: Wagenknecht selbst bringt diese Möglichkeit in die Diskussion und wirft dabei, wenig zimperlich, einen Seitenblick auf die CDU.

Was bedeutet das Wahlergebnis von Rausch?

48 Stimmen für Rausch, das ist mehr, als AfD und BSW gemeinsam haben. Wagenknecht mutmaßt, dass die Vermutung nahe liegt: In irgendeiner Ecke der CDU scheint Unterstützung gezündet zu haben – ob bewusst oder mangels Alternativen. Diese vier Stimmen geben dem Ganzen jedenfalls eine unerwartete Dynamik.

Politische Fronten und persönliche Zweifel

Dass die CDU sich von der AfD distanzieren will, wird durch solche Abstimmungen geradezu zersetzt. Wagenknecht zweifelt offen daran, wie fest diese brandneue Abgrenzung wirklich noch steht – und äußert vorsichtige Kritik an Ministerpräsident Schulze. Ich persönlich frage mich, wie viele Abgeordnete insgeheim anders ticken, als sie es öffentlich zugeben.

Das BSW bleibt zumindest beim Thema Siegmund stabil: Man will sich enthalten. Eine parteiübergreifende Lösung – ja, das klingt irgendwie nach dem Versuch, das Unzumutbare doch noch zu verhindern.

AfD – Größte Kraft, aber nicht am Ziel

Klar ist: Die AfD ist zwar die stärkste Fraktion, kann aber alleine keine Regierung stemmen. Siegmund braucht drei Überläufer, sozusagen. Ein bisschen erinnert das an ein Pokerspiel mit verdeckten Karten – niemand will der erste sein, der den Joker ausspielt.

Der Landtag tanzt derzeit auf dem Drahtseil. 48 Stimmen für Rausch, 44 hätten eigentlich gereicht – das spielt Siegmund im Dezember womöglich in die Hände, sofern einige Abgeordnete ihre Meinung ändern.

Wie fest sind die politischen Lager?

Die CDU lehnt das Bündnis mit der AfD offiziell ab, klammert sich aber nur noch provisorisch daran fest. Gleichzeitig hält man sich die Option offen, in Sachfragen mal ja, mal nein zu sagen. Für mich bleibt unklar, ob das eine bewusste Strategie oder schon pure Planlosigkeit ist.

Im BSW wiederum will man auf keinen Fall für Siegmund stimmen, behält sich aber politisches Gewicht als Zünglein an der Waage vor. Bis zur Abstimmung im Dezember wird es also spannend – vielleicht gibt es noch einige Überraschungen, vielleicht bleiben die Parteien auch stur.

Persönliche Zuspitzung und politisches Poker

Am Ende ist offen, ob die CDU, SPD, Grüne oder Linke „dicht halten“ oder ob einzelne Abweichler das entscheidende Häuflein bilden. Noch mal zum Mitschreiben: Rauschs Wahl war ein politischer Fingerzeig, mehr nicht. Aber die Unsicherheit wächst – auf beiden Seiten.

Der Landtag in Sachsen-Anhalt bleibt ein politisches Experimentierfeld – spätestens nach der Wahl von Tobias Rausch, bei der deutlich mehr Stimmen als geplant zusammenkamen. Das BSW will sich im Dezember enthalten und empfiehlt einen parteiübergreifenden Ministerpräsidenten, während die CDU ihre Abgrenzung zur AfD zunehmend aufweicht oder zumindest an Kontur verliert. Entscheidend wird damit, ob einzelne Parlamentarier dem politischen Druck standhalten oder die AfD mit Hilfe von Überläufern doch eine Mehrheit bekommt.

Aktuelle Entwicklungen (Stand: 7. Oktober 2026)

Laut FAZ bleibt weiterhin unklar, wie die CDU mit der AfD umgehen will: In Hintergrundgesprächen schildern Beobachter eine wachsende Nervosität in den Reihen der Christdemokraten, während die AfD um einzelne Stimmen wirbt. In der ZEIT wird die Rolle des BSW als entscheidender Faktor betont, da dessen Enthaltung „nicht unbedingt garantiert ist“, sondern taktisch eingesetzt werden könnte. Die Tagesschau hebt hervor, dass ein Machtwechsel im Landtag inzwischen offen diskutiert wird und viele Abgeordnete den Verlauf kaum noch vorhersehen können.

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