Dass der Abschied aus dem Jemen kein leichter Schritt ist, stellt Thorsten Schäfer-Gümbel ziemlich klar heraus. Die Bedrohungslage, zuletzt verschärft durch die willkürliche Festnahme von UN-Mitarbeitenden in Gebieten der Huthi-Rebellen, sei einfach zu drastisch. "Wir müssen an vorderster Stelle die Sicherheit unseres Teams gewährleisten", so Schäfer-Gümbel gegenüber der "Rheinischen Post". Gleichzeitig räumt er ein, dass Missbrauch von Fördergeldern in Millionenhöhe unter diesen Extrembedingungen nicht vollkommen ausgeschlossen werden konnte. Man sei im Jemen viele Jahre auf Fernsteuerung angewiesen gewesen. 2013, nach einem terroristischen Angriff mit Todesopfern unter den Mitarbeitenden, hatten sich die internationalen Kräfte bereits zurückgezogen. Fehler seien passiert – daran lässt er nicht zweifeln, aber es wurde sofort ermittelt und bislang alles Nötige zur Aufklärung veranlasst. Konsequenzen gibt es auch organisatorisch: Die internen Regeln und Kontrollmechanismen wurden verschärft. Länderrisiken stuft die GIZ jetzt jährlich neu ein, das Personal wird regelmäßiger getauscht, damit keine Schattenstrukturen entstehen. Stück für Stück zieht auch die Digitalisierung ein – inklusive eines umfassenden SAP-Systems, das Missbrauch deutlich erschweren soll.
Abseits der Konfliktherde zwängt der Rotstift: In NRW und Bayern macht die GIZ zum Jahresende 2027 Teilstandorte dicht. Feldafing, Bonn-Kottenforst (die Akademie) und kleinere Außenstellen wie Düsseldorf und Magdeburg werden geschlossen. Bonn und Eschborn bleiben hingegen zentrale Ankerpunkte, auch ein Ausbau ist angedacht. Überdies zieht ein Teil der Belegschaft des Weltentwicklungsprogramms UNDP übergangsweise in GIZ-Gebäude in Bonn ein, was laut Schäfer-Gümbel auf eine Anfrage des Auswärtigen Amts zurückgeht. Diese Übergangslösung wird im August Wirklichkeit, der Mietvertrag ist gemacht.
Die GIZ hat sich vor Kurzem gezwungen gesehen, alle Aktivitäten im Jemen vor dem Hintergrund massiver Sicherheitsrisiken und interner Betrugsfälle auszusetzen. Die neue Restriktions- und Kontrollpolitik, einschließlich der beschleunigten Digitalisierung, folgt auf eine Phase extremer Instabilität und externer wie interner Herausforderungen. Der Rückzug aus Standorten in deutschen Bundesländern ist zugleich Teil eines umfassenden Sparprogramms, das GIZ in ihrer Ausrichtung auf Sicherheit, Effizienz und Modernisierung neu justieren lässt.
Im Laufe der letzten 48 Stunden wurde berichtet, dass die Lage für internationale Organisationen im Jemen weiter prekär bleibt: Die Zahl der Angriffe auf humanitäre Helfer steigt, berichtet die Deutsche Welle, wobei viele NGOs mit ähnlichen Problemen wie die GIZ zu kämpfen haben. Gleichzeitig beschäftigt der Sparkurs im öffentlichen Dienst auch andere große deutsche Organisationen, wie die Süddeutsche Zeitung anmerkt – es kommt vielerorts zu Standortaufgaben oder Projektverschiebungen. Zur Rolle Bonns als Zentrum für internationale Organisationen, inklusive der GIZ und der Vereinten Nationen, gibt es aktuell mehrere Stimmen, die Bonns Bedeutung für nachhaltige Entwicklung und Innovationspolitik betonen.