Serbiens Präsident warnt: Europa am Rand eines neuen Großkonflikts

Aleksandar Vučić, das serbische Staatsoberhaupt, befürchtet einen bevorstehenden neuen Krieg in Europa.

heute 16:02 Uhr | 4 mal gelesen

In einem Gespräch mit Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer SE, äußerte sich Vučić nach seinem überraschenden Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj ungewohnt deutlich. Dass Vučić Selenskyj in Serbien empfing, sorgte nicht nur unter Serbiens traditionell russlandfreundlicher Bevölkerung für Unmut, sondern sogar in Moskau für wütende Reaktionen. Mit der Annäherung an die Ukraine und dem Abschluss wirtschaftlicher Abkommen machte sich Vučić prompt den Vorwurf des Verrats und der Unterstützung Kiews im Konflikt zuziehen. Vučić klingt dabei alles andere als optimistisch: "Ich glaube, ein größerer Krieg steht bevor. Und ich hatte erwartet, dass schon längst jemand aktiv für Frieden eingetreten wäre – aber das ist nicht passiert." Laut seiner Einschätzung ist eine Ausweitung des Krieges sogar wahrscheinlich, weil beide Seiten kompromisslos blieben. Für Vučić gibt es keine greifbare Lösung am Horizont; vielmehr steckt Europa in einem gefährlichen Gleichgewicht, das jederzeit kippen könnte. Seine Entmutigung wirkt fast greifbar, wenn er sagt, dass er nicht an ein baldiges Kriegsende glaubt – weder dieses Jahr, noch vor dem kommenden Frühling. Für ihn steht fest: Eine der beiden Parteien müsse erst einen klaren Sieg erringen, bevor überhaupt an Friedensgespräche zu denken sei. Das Dilemma, so sagt er, ist die derzeitige Unnachgiebigkeit beider Seiten. "Jeder wartet auf die Niederlage des anderen – niemand wünscht wirklich Frieden." Bezogen auf die jüngsten russischen Angriffe in anderen europäischen Ländern, versuchte Vučić die russische Sichtweise zu erklären: Der 'hybride Krieg', den Moskau gegen den Westen führe, sei so etwas wie ein Spiegel dessen, was der Westen mit eigenen Sanktionen und Militärhilfen gegen Russland betreibe. Letztlich, stellt Vučić klar, dürfe man die Rollen von Angreifer und Verteidiger jedoch nicht verwechseln: Die Ukraine habe den Konflikt ja nicht begonnen.

Vučićs Aussagen fügen sich in eine wachsende Debatte ein, ob Europa wirklich am Abgrund eines noch breiteren Konflikts steht. Aktuelle Analysen aus verschiedenen Medien betonen vor allem die fragile Lage entlang der EU-Außengrenzen und das Risiko, dass kleine Fünkchen auf dem ohnehin angespannten Kontinent große Flächenbrände auslösen könnten. Hinzu kommen wirtschaftliche Unsicherheiten durch die anhaltenden Sanktionen, sowie gesellschaftliche Umbrüche, die Europas Einigkeit herausfordern – ein Punkt, den auch Vučić mit seiner Warnung unterstreicht. Viele internationale Beobachter sehen Vučićs Auftritt und seine Äußerungen auch als Versuch, das eigene politische Gewicht zu steigern und Serbien zwischen den Fronten als Vermittler zu positionieren – eine schwierige Rolle angesichts der engen Bindungen zu Russland, aber auch der wachsenden Kontakte zur Ukraine und der EU. Die serbische Öffentlichkeit bleibt gespalten; ein Teil fordert mehr Neutralität, während andere offene Parteinahme für Russland wollen. Die geopolitischen Spannungen spiegeln sich in politischen Diskursen auf dem Balkan wider, wo die Angst vor Ausweitung des Krieges und einer erneuten Destabilisierung jederzeit neu aufflammt.

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