Gerade wenn es, so Pantisano, darum geht, der AfD den Zugang zur Macht im Osten zu verbauen, sieht er die Linke in der Pflicht: In Thüringen, Sachsen und auch Sachsen-Anhalt habe man - seiner Meinung nach - schon mehrfach politische Verantwortung übernommen. Er verweist besonders auf die Möglichkeit, gemeinsam mit der CDU Mehrheiten gegen Rechtspopulisten zu organisieren. Gleichzeitig aber, und darin steckt ein bemerkenswerter Sinneswandel: War die Wortwahl Pantisanos im Juli gegenüber der Union noch enorm konfrontativ („faschistische Politik“), ruderte er nun erneut zurück. Diese Aussage sei ein Fehler gewesen, so seine aktuelle Selbsteinschätzung. Interessant bleibt das politische Kalkül dahinter, vor allem, weil offizielle Kooperationen zwischen Linken und CDU bislang landesweit tabu sind. Der sogenannte Unvereinbarkeitsbeschluss verbietet beiden Parteien die offene Zusammenarbeit — sowohl miteinander als auch mit der AfD. Allerdings gibt es derzeit Stimmen aus der CDU, die besonders mit Blick auf drohende Mehrheitsverluste in Sachsen-Anhalt plötzlich doch eine Annäherung an die Linke ins Spiel bringen. Ob das am Ende Tragweite hat, ist offen, aber der Riss im Tabu ist spürbar. So wie der politische Pragmatismus, der quer durch mehrere Parteien zu wehen scheint.
Was dabei gern übersehen wird: Hinter solchen taktischen Schachzügen steckt auch eine ziemliche Portion Unsicherheit – bei allen Beteiligten. Kaum vorstellbar noch vor ein paar Jahren.
Luigi Pantisano als Parteichef der Linken signalisiert mit seiner Bereitschaft, unter Umständen einen CDU-Ministerpräsidenten zu unterstützen, einen bemerkenswerten Bruch mit bisherigen Parteilinien. Im Kern steht der Versuch, einen Machtgewinn der AfD zu verhindern — notfalls sogar durch pragmatische Zusammenarbeit mit der politischen Konkurrenz. Die Debatte spitzt sich zu, weil in ostdeutschen Bundesländern weder Rot-Rot-Grün noch Schwarz-Gelb sichere Mehrheiten zu erwarten sind, was ungewöhnliche Allianzen wahrscheinlicher macht. Recherche-Update: Die Lage in den ostdeutschen Ländern bleibt nervös; die CDU diskutiert inzwischen offen über Tabubrüche, da die Gefahr durch weiter steigende AfD-Umfragewerte wächst. In Sachsen-Anhalt und Thüringen mehren sich laut jüngsten Presseberichten Stimmen in verschiedenen Parteien, die auch eine lockere Kooperation von CDU und Linke befürworten, etwa als Minderheitsregierung. Gleichzeitig wächst der Druck auf die Bundes-CDU, ihre offizielle Blockadehaltung zumindest zu überdenken, um Handlungsfähigkeit nicht gänzlich zu verlieren.