Toni Garrn rechnet mit der Modeindustrie ab

Das international bekannte Model Toni Garrn spricht überraschend offen und kritisch über die oft toxische Realität des Modelbusiness.

heute 13:59 Uhr | 4 mal gelesen

„Man steht da halbnackt, dann kommt jemand mit dem Maßband, mustert dich und meint trocken: 'Deine Hüften sind zu breit, Liebes.'“ Toni Garrn hatte früh begriffen, wie rigoros und unsensibel Castings oft ablaufen – selbst ihre Größe wurde ihr zur Last gelegt („Bei meiner Körpergröße ist klar, dass die Hüften mal breiter sind“). Aus reinem Trotz gönnte sie sich nach den Messungen gerne ein Eis. Später verweigerte sie das Vermessen komplett, überzeugt davon, dass Unternehmen sie ohnehin buchen würden – doch, das räumt Garrn ehrlich ein, konnte sie sich diese Souveränität erlauben: Sie musste nie um ihr Einkommen fürchten, sondern hätte jederzeit aufhören und studieren können, finanziell unterstützt von ihrer Familie. Als Teenager stand sie schon in Bikini und mit Zigarette vor der Kamera, unangenehme Situationen seien jedoch ausgeblieben. Dass sie oft eine Zigarette als Requisite in der Hand hielt, nahm sie locker: Rauchen gehörte zum Image, nicht zum Alltag. Dennoch hat Garrn auch heute, als Mutter und Unternehmerin, das Thema Körper immer im Kopf. Gefragt, ob sie stets gesund gewesen sei, zögert sie: 'Was ist schon gesund? Jeder ist mal angeschlagen. Wo zieht man die Grenze?' Ein gewisser Druck in Bezug auf Figur und Gewicht – das, gibt sie zu, trifft jedes Model. Seit ihrer Jugend verzichtet sie oft auf Lieblingsspeisen: 'Seit ich 14 bin, kann ich nicht mehr alles essen, wonach mir gerade ist. Ehrlich, sonst würde ich pausenlos Kuchen essen.' Tja, manchmal sieht man das Business von außen immer noch zu rosig.

Toni Garrn spricht in einem offenen Zeit-Interview deutlich an, wie problematisch und teilweise respektlos sie den Umgang in der Modelbranche empfindet. Sie schildert nicht nur den Druck durch Castings und Körpernormen, sondern reflektiert auch ihre privilegierte Position, diesen Ansprüchen teils entkommen zu sein. Im aktuellen Interview wird zudem deutlich, dass der Kult um Figur und äußere Werte auch sie Jahrzehnte später nicht loslässt – ein Zeichen, wie tief diese Erfahrungen sitzen. Ergänzt um aktuelle Recherchen: In jüngsten Medienberichten (unter anderem auf taz.de und spiegel.de) rücken zunehmend Modelle wie Garrn öffentlich die Schattenseiten der Branche in den Fokus, etwa Essstörungen, mangelnde Diversität und miese Arbeitsbedingungen. Die Diskussion um Body Positivity hat an Fahrt aufgenommen: Etablierte Player reagieren zwar mit Inklusionskampagnen und neuen Castingregeln, viele Betroffene halten das aber noch für reine Imagepflege. Außerdem wird in vielen Artikeln betont, wie wenig sich trotz jahrzehntelanger Kritik tatsächlich verändert – immer wieder berichten Insider von psychischem Druck, sozialer Unsicherheit und dem nach wie vor präsenten Zwang, bestimmten Idealmaßen zu entsprechen.

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