Verdi kritisiert SPD-Pläne zur Schwerarbeitsrente scharf

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi spricht sich entschieden gegen den aktuellen SPD-Vorschlag aus, früheren Renteneintritt abhängig vom Beruf zu machen. Die Debatte um die Ungleichbehandlung unterschiedlicher Berufsgruppen erhitzt die Gemüter.

heute 15:40 Uhr | 3 mal gelesen

Donnerstag, ein gewöhnlicher Tag – und doch brodelt es hinter den Kulissen der Sozialpolitik. Frank Werneke, das Gesicht von Verdi, hält wenig von der Idee, Rentenprivilegien an bestimmte Berufe zu knüpfen. "Es ist schlicht nicht nachvollziehbar, wie man die Belastung von Menschen nach Außen objektiv vergleichen will", gibt er dem ntv-Onlineportal zu bedenken. Er empfindet die Idee der SPD, das österreichische Modell der berufsspezifischen Schwerarbeitspension nach Deutschland zu importieren, als unfair: 'Wer neunundvierzig Jahre in einem Labor arbeitet, erlebt vielleicht mehr Belastung als jemand, der zehn Jahre auf einer Baustelle stand – wer will das messen? Gesundheit, Erschöpfung, das ist individuell verschieden, da greift kein Schema.' Werneke bleibt dabei: Nach 45 Berufsjahren sollte jeder den gleichen Anspruch auf eine abschlagsfreie Rente haben. Auch IG Metall hat prompt reagiert: „Wer das Land ein Arbeitsleben lang getragen hat, unabhängig vom Job, verdient Respekt und eine verlässliche Rente“, so IG-Metall-Vorstand Ralf Reinstädtler. Besonders pikant – die Länderriege rund um SPD und CDU zeigt ebenfalls Widerstand gegen den Regierungsvorschlag, die abschlagsfreie Rente für langjährig Versicherte zu beenden. Werneke findet dafür klare Worte: „Man würde die Lebensleistung Vieler entwerten – das darf niemals Gesetz werden.“ Österreich erlaubt bestimmten, staatlich definierten Berufsgruppen einen früheren Rentenstart, in Deutschland bleibt das Konzept – zumindest unter Gewerkschaftern – heiß umstritten. Vielleicht ist es Zeit, weniger über Modelle und mehr über die Lebensrealitäten der Menschen zu sprechen.

Verdi lehnt die SPD-Initiative für eine berufsbezogene Schwerarbeitsrente ab, da individuelle Lebensumstände und Belastungen kaum gerecht objektiv messbar wären. Zusammen mit IG Metall spricht sich Verdi klar dafür aus, allen nach 45 Versicherungsjahren die gleichen Rechte einzuräumen, ohne berufsbezogene Ausnahmen wie in Österreich. Tatsächlich ist die Debatte ein Symptom für eine tieferliegende Frage: Wie will Deutschland künftig mit der Anerkennung jahrzehntelanger Arbeitsleistung umgehen – fair und pragmatisch, oder bürokratisch selektiv? Im Weiteren ziehen die jüngsten Medienberichte nach: Laut einem aktuellen Artikel auf taz.de verschärft die Diskussion um Rentensicherheit die Gräben zwischen Sozialverbänden und Politik, während in der Süddeutschen Zeitung Stimmen aus der Arbeitsmedizin vor einer Überbürokratisierung bei der Bewertung von Arbeitsbelastungen warnen. Zugleich deckt ein Beitrag bei DW.com auf, dass andere europäische Länder mit ähnlichen Problemen ringen und Deutschland dabei unter besonderem Reformdruck steht.

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