Manchmal hat man das Gefühl, dass politische Debatten an der Lebenswirklichkeit komplett vorbeigehen. Laut dem 'Trendbarometer' von RTL und ntv sehen das offenbar auch 84 Prozent der Deutschen so: Sie werfen den Parteien vor, sich kaum um richtige Alltagsprobleme zu kümmern. Gerade mal 12 Prozent der Befragten glauben, dass ihre Anliegen in der Politik wirklich Gehör finden – wie dünn diese Hoffnung doch gesät ist! Interessant: Der Vorwurf zieht sich quer durch nahezu alle politischen Lager. Den stärksten Frust gibt es wenig überraschend bei den Wählern, deren Parteien in der Opposition oder an den Rändern stehen: 96 Prozent bei der Linken, sogar 98 Prozent bei der AfD. Aber selbst bei SPD und Union-Anhängern beklagen ungefähr drei Viertel eine gewisse Ignoranz seitens ‚ihrer‘ Parteien – nur ein Prozentpunkt Unterschied zwischen CDU/CSU (72%) und SPD (auch 72%), Grüne rangieren fast gleichauf mit 71%. Ein Detail am Rande: Wer ist eigentlich am stärksten in der Kritik? 29 Prozent der Befragten nennen die AfD als Partei, die sich am wenigsten um die Belange der Menschen kümmert. 25 Prozent sehen hier die Union vorn – erstaunlich angesichts ihrer langjährigen Regierungsverantwortung. Die SPD und die Grünen stehen mit 11% bzw. 10% weniger oft am Pranger, FDP und Linke bilden mit jeweils 4% das Schlusslicht der Unzufriedenheitsskala. Es gibt dabei einen spannenden Ost-West-Unterschied: Im Westen wird die AfD von 31 Prozent als ‚untätigste‘ Partei gesehen, im Osten dagegen nur von 19 Prozent – dort liegt die Union mit 23% vorn. Besonders angesichts der Landtagswahlen in einigen ostdeutschen Bundesländern eine nicht ganz unwichtige Beobachtung. In den eigenen Reihen sehen AfD-Anhänger übrigens vor allem CDU und CSU als Hauptschuldige: 41 Prozent von ihnen werfen der Union vor, die Menschen zu übersehen. Fühlt sich eigentlich noch irgendwer verstanden?
Schon wieder zeigt eine Umfrage, wie groß der Vertrauensverlust in die traditionellen Parteien ist. Fast neun von zehn Befragten monieren, dass ihre Anliegen „untergehen“ – über Parteigrenzen hinweg. Besonders auffällig ist die tiefe Skepsis auch unter Anhängern der ehemals 'großen' Volksparteien. Die wachsende Kluft zwischen politischer Bühne und Bürgerwahrnehmung bestimmt nicht nur Sonntagsreden, sondern dürfte mit Blick auf Wahlbeteiligung und Protestwahlen weitreichende Folgen haben. Interessanterweise unterstreichen aktuelle Recherchen den Trend: Ein Artikel der Süddeutschen hebt hervor, dass nicht nur die Distanz zur Politik wächst, sondern auch die Bereitschaft, sich neuen Bewegungen zuzuwenden, die scheinbar 'etwas anders' machen (siehe Erweiterung). Andere Medien, wie die Zeit, berichten von politischen Debatten über bürgernahe Kommunikation und die wachsende Skepsis der Jungen. Die taz betont die gesellschaftliche Sprengkraft dieses Misstrauens und beleuchtet, wie sich Institutionen und Politik neu erfinden müssen, um überhaupt noch gehört zu werden.