Die jüngste Sonntagsfrage von Yougov bringt Unruhe ins politische Gefüge Deutschlands: Die Union – ohnehin angeschlagen – fällt erstmals auf nur noch 18 Prozent und liefert damit ihr schwächstes Ergebnis überhaupt ab. Es ist schon bemerkenswert, wie schnell sich politische Tektonik verschieben kann: Gerade noch galt die CDU/CSU als natürliche Opposition, jetzt hinkt sie weit abgeschlagen hinterher.
AfD dominiert, Union im Stimmungstief
Die AfD bleibt mit 29 Prozent klar an der Spitze der aktuellen Umfrage, während die traditionellen Volksparteien geradezu winzige Sprünge vorweisen: Grüne nun bei 16 Prozent, ein wenig höher als im Frühjahr – nichts Weltbewegendes –, die SPD bei immerhin 13 Prozent. Der Rest, teils im einstelligen Bereich, dümpelt mehr oder minder vor sich hin: Linke 10, FDP 5 und das Bündnis Sahra Wagenknecht bei 4 Prozent. Es ist fast, als würde sich das Parteiensystem langsam ausdünnen.
Rechtsextremismus-Vorwurf bleibt – dennoch Zustimmung
Wirklich schräg: Eine satte Mehrheit von 59 Prozent hält die AfD für rechtsextrem – fast schon so, als wäre das inzwischen eine Selbstverständlichkeit. Interessant ist die Gruppenaufteilung: Besonders Grünen-Wähler (97 Prozent!) stimmen dem zu, dicht gefolgt von den Anhängern der SPD und Linken. Aber auch unter CDU/CSU-Wählern sieht die Mehrheit die AfD als rechtsextrem, wenn auch nicht ganz so deutlich.
Skurril mutet der Blick in die eigenen Reihen der AfD an: Lediglich 4 Prozent ihrer Wählerinnen und Wähler gestehen der Partei zu, rechtsextrem zu sein, während fast neun von zehn vehement widersprechen. Vielleicht hilft da mal ein Nachmittag mit dem Verfassungsschutzbericht?
Zunehmende Akzeptanz für AfD-Kooperation
Ein echter Stimmungswandel bahnt sich an: Laut Umfrage wollen erstmals mehr als die Hälfte (51 Prozent), dass andere Parteien eine Kooperation mit der AfD nicht pauschal ausschließen. Im direkten Vergleich zum Vorjahr hat sich das Verhältnis umgedreht. Was das für politische Allianzen und künftige Regierungsbildungen heißt? Gute Frage – wahrscheinlich kommen spannende Zeiten auf uns zu.
Massive Spaltung entlang von Parteipräferenzen
Es bleibt aber ein geteiltes Land – zumindest, was die Einstellung zur Brandmauer betrifft. Anhänger von SPD, Grünen und Linken sind weiterhin klar dagegen, die AfD zu beachten. CDU/CSU-Wähler hingegen sind gespalten, etwa jeder Zweite zeigt sich offen. Nur AfD-Anhänger bilden – wenig überraschend – einen geschlossenen Block gegen die Brandmauer. Man fragt sich: Wie fest ist diese Mauer überhaupt noch?
Blick auf den Umfragezeitraum
Die Zahlen wurden von Yougov im Zeitraum vom 11. bis 14. September online mit über 2.100 Teilnehmenden erhoben – repräsentativ für ganz Deutschland und direkt vor spannenden Landtagswahlen. Die AfD bleibt stark, das Parteiensystem wackelt – und nichts scheint mehr, wie es war.
Doppelte Herausforderungen für das politische System
Die ganze Gemengelage zerrt an den Nerven der Parteien: Die Union muss sich neu erfinden, die AfD sitzt an einem bislang ungewohnten Hebel, und selbst Koalitionsspekulationen werden zum waghalsigen Rechenspiel. Während die meisten der Partei weiterhin ein problematisches Verhältnis zur Demokratie zuschreiben, diskutiert man längst offener über Zusammenarbeit. Ob das politische Klima dabei angenehm bleibt, darf bezweifelt werden – zumindest entsteht der Eindruck, dass alte Gewissheiten bröckeln und neue Ungewissheiten sprießen wie Unkraut im Garten.
Zusammengefasst
Die neue Yougov-Umfrage lässt aufhorchen: Die AfD erreicht mit 29 Prozent ihren bisherigen Spitzenwert, während die Union auf nur noch 18 Prozent abstürzt – das niedrigste Ergebnis seit Bestehen des Instituts. Gleichzeitig zeigt sich zwar weiterhin eine breite gesellschaftliche Ablehnung der AfD als rechtsextreme Kraft, doch die Haltung zur Brandmauer kippt erstmals zugunsten größerer Offenheit gegenüber einer Zusammenarbeit. Insbesondere unter CDU/CSU-Anhängern bröckelt die Zurückhaltung, damit geraten bislang gültige Koalitions- und Abgrenzungsstrategien ins Wanken.
Aktuelle Entwicklungen aus anderen Quellen
• Nach aktuellen Berichten in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hat die Union auf die neuen Umfragewerte mit interner Kritik und Appellen zur Rückbesinnung auf konservative Kernthemen reagiert. Einige Führungskräfte warnen vor Panik, andere fordern eine neue Debatte über inhaltliche Ausrichtung und Strategie (Quelle: FAZ).
• Ein ausführlicher Artikel von Der Spiegel berichtet, dass die AfD vor den Landtagswahlen gezielt versucht, mit moderateren Themen und gezielten Social-Media-Kampagnen neue Wählerschichten anzusprechen. Im Fokus stehen dabei besonders ältere und wirtschaftlich abgehängte Wählergruppen (Quelle: Der Spiegel).
• Laut Zeit Online ist die Brandmauer-Debatte inzwischen auch Thema in etlichen Kommunalparlamenten geworden. Zunehmend zeigen CDU-Vertreter an der Basis Bereitschaft, punktuell mit der AfD zusammenzuarbeiten, was die Parteiführung vor heikle Abwägungen stellt (Quelle: Zeit Online).