AfD-Politiker Lucassen distanziert sich offen von Russland-Nähe und Parteiposition zu Ukraine

Nach einem Besuch in der Ukraine hat Rüdiger Lucassen, Bundestagsabgeordneter der AfD, deutliche Kritik an der prorussischen Haltung vieler seiner Parteikollegen geäußert. Er plädiert dafür, Waffenlieferungen nur dann zu befürworten, wenn diplomatische Bemühungen glaubhaft eingesetzt werden – und stellt sich damit quer zur aktuellen Parteirhetorik.

heute 12:56 Uhr | 3 mal gelesen

Rüdiger Lucassen, als Mitglied des Verteidigungsausschusses nicht gerade ein Hinterbänkler im Bundestag, hat nach persönlichem Augenschein in der Ukraine überraschend Klartext gegen weite Teile seiner Partei geredet. Vor allem am Wahlprogramm der AfD für Mecklenburg-Vorpommern stößt er sich: Dort, wo von einem harmlosen 'Konflikt in der Ukraine' die Rede ist, hält Lucassen dagegen – das sei schlicht eine Beschönigung. Für ihn, so sagt er ziemlich unmissverständlich, sei das, was in der Ukraine geschieht, Krieg – alles andere führe an der Wirklichkeit vorbei.

Unterschiedliche Sichtweisen innerhalb der AfD

Es bleibt aber nicht bei programmatischen Formulierungen. Vor allem im Umgang mit dem geplanten Anschlag am Flughafen Leipzig/Halle schüttelt Lucassen über Björn Höcke und andere den Kopf: Wer aus einer versuchten Attacke per Drohne bloß eine 'Propagandalüge' konstruiert, ohne handfeste Belege, fällt Lucassen zufolge in politische Stimmungsmache zurück. Er klingt dabei fast so, als würde er sich über Teile seiner Partei fremdschämen.

AfD und Russland – ein schwieriges Verhältnis

Laut Lucassen gibt es eine Streuung russlandfreundlicher Positionen in der AfD. Dass er diese Nähe selbst früher verspürt habe, gibt er offen zu, löst sich jetzt aber klar davon: Der russische Einmarsch, so argumentiert er, sei ein klassischer Angriffskrieg. Während das Thema auf Landesebene gern verharmlost oder umschrieben wird, verweist Lucassen auf die bereits festgehaltene Einstufung der Bundestagsfraktion – sie hat den Bruch mit dem Völkerrecht früh festgeschrieben.

Waffenlieferungen nur mit Diplomatie – Lucassens Appell

Was konkrete Hilfe für die Ukraine betrifft, knüpft Lucassen Militärlieferungen an diplomatische Bedingungen. Nach seiner Rückkehr aus Kiew fordert er: Ohne ernsthafte, sichtbare Gesprächsangebote solle von weiteren Waffenlieferungen abgesehen werden. Interessant ist, wie er persönliche Eindrücke aus der Ukraine mit politischen Forderungen verknüpft – fast, als wolle er einen neuen Ton in der AfD anschlagen.

Parteiinternes Ringen um die Ukraine-Linie

Gerade der semantische Unterschied – 'Konflikt' versus 'Angriffskrieg' – steht dabei im Brennpunkt. Lucassen zeigt, wie widersprüchlich Sprache in Partei- und Bundestagsarbeit genutzt wird, was spätestens bei außenpolitischen Positionierungen zum Problem werden kann. Persönlich habe ich den Eindruck, dass diese internen Widersprüche die AfD langfristig vor eine Zerreißprobe stellen könnten.

Anschlagsdebatte als Lackmustest für politische Seriosität

Der Streit um die Deutung des Drohnenvorfalls am Leipziger Flughafen illustriert, wie schnell parteiinterne Debatten ins Überdrehte kippen können. Lucassens Skepsis gegenüber schnellen Schuldzuweisungen und seine Forderung nach Fakten statt Stimmungsmache lassen durchblicken: Es gibt – man mag es kaum glauben – auch in der AfD Stimmen, die auf Sachlichkeit beharren.

Diplomatie versus Waffen – ein Balanceakt

Am Ende bleibt Lucassens Appell: Aufrichtigkeit im Umgang mit der Wahrheit, Augenmaß bei militärischer Unterstützung und eine Hinwendung zur Diplomatie. Gerade nach seiner eigenen Reise klingt das nicht nach Dogmatismus, sondern nach jemandem, der um Abwägung ringt. Perfekt ist das nicht, aber vielleicht ist ja genau das der Punkt: Politik ist eben keine Schwarzweißmalerei.

Lucassens kritische Haltung innerhalb der AfD

Rüdiger Lucassen hebt nach seiner Ukraine-Reise die innerparteilichen Unterschiede in der AfD deutlich hervor – vor allem beim Umgang mit Russland und dem Krieg in der Ukraine. Ihm missfällt die verharmlosende Sprache im AfD-Programm von Mecklenburg-Vorpommern und die mangelnde Bereitschaft, Missstände offen als Angriffskrieg zu benennen.

Pointe seiner Forderungen

Lucassen verlangt, konkrete Waffenhilfe immer an ernsthafte diplomatische Bemühungen zu koppeln – eine Position, die wenig mit martialischen oder einseitigen Parolen zu tun hat. Seine Mahnung, innen- wie außenpolitisch verantwortungsvoll zu argumentieren, zielt nicht nur auf seine Kollegen: Auch Deutschlands Rolle im Krieg, die Kritik am politischen Diskurs und die Priorisierung von Diplomatie stehen auf seiner Agenda.

Weitere aktuelle Entwicklungen (Stand 07.06.2024)

Jenseits von Lucassens Aussagen spitzt sich die Debatte um deutsche Waffenlieferungen, die Rolle der AfD beim Thema Russland und der gesellschaftliche Umgang mit dem Angriffskrieg weiter zu. Laut "ZEIT" sind jüngst wieder Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Partei über die offizielle Position zur Ukraine ausgebrochen, während internationale Beobachter laut "DW" auf Berlin drängen, auch angesichts von US-Präsidentschaftswahlen und möglicher geopolitischer Verschiebungen eindeutiger zu agieren. Daneben wird nach wie vor kontrovers diskutiert, wie gefährlich die prorussischen Sympathien innerhalb der AfD für die deutsche Sicherheitspolitik sein könnten, wie einschlägige Analysen bei der "Süddeutschen Zeitung" hervorheben.

Schlagwort aus diesem Artikel