Bayern prescht vor: Bundesratsinitiative für mehr Fernverkehr außerhalb der Städte

Bayern bringt eine Gesetzesinitiative auf Bundesebene ein, um den Fernverkehr in ländlichen und mittelgroßen Städten zu sichern – nicht nur in den Ballungszentren.

heute 09:54 Uhr | 3 mal gelesen

Manchmal kommt die Politik ja doch in Bewegung – diesmal will Bayern die Richtung vorgeben. Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) kündigte am Donnerstag an, dass Bayern eine Initiative im Bundesrat starten wird, um den Fernverkehr auch abseits der großen Städte zu bewahren. Der Anlass: Die Bundesnetzagentur hat beschlossen, neue Anbieter auf besonders ausgelasteten Strecken zuzulassen, was Konkurrenz im Fernverkehr fördern soll. Diese Regelung sieht vor, dass DB Infrago (der Infrastrukturbereich der Deutschen Bahn) künftig einen Anteil von 25 bis 40 Prozent der Streckenkapazitäten für Wettbewerber reservieren muss. Bernreiter findet das allerdings zu kurz gedacht. Seiner Meinung nach drohen damit kleinere Oberzentren, wie Bamberg oder Ingolstadt, abgehängt zu werden, weil neue Anbieter sich meist nur die ertragreichen Großstadtverbindungen aussuchen. 'So ein Rosinenpicken funktioniert nicht, jedenfalls nicht, wenn man an die Fläche denkt', sagt er – klare Ansage. Außerdem will Bernreiter verlässlichere Verbindungen zwischen Fern- und Regionalverkehr, besseren Schutz für das Nahverkehrsangebot und Tickets, mit denen man durchgängig und anbieterübergreifend reisen kann. Bayern möchte nach der Sommerpause möglichst viele andere Bundesländer für die Initiative gewinnen – ob das klappt, bleibt allerdings offen. So einfach wie es klingt, ist Verkehrspolitik eigentlich nie.

Bayerns Vorstoß im Bundesrat zielt darauf ab, den Fernverkehr auch für Menschen in kleineren Städten sicherzustellen. Hintergrund ist eine jüngst getroffene Entscheidung der Bundesnetzagentur, die mehr Wettbewerb auf Hauptstrecken bringen soll, was jedoch zu einer Vernachlässigung weniger lukrativer Regionen führen könnte. Bernreiter fordert zudem konkrete Lösungen für nahtlose Ticketangebote sowie einen stärkeren Schutz des Nahverkehrs, da es nicht ausreiche, wenn neue Anbieter ausschließlich die Verbindungen zwischen Großstädten bedienen. Aktuelle Entwicklungen zeigen, dass mehrere Bundesländer ähnlichen Sorgen äußern – insbesondere im Süden und Osten Deutschlands, wo viele Regionen bereits in der Vergangenheit vom Bahnangebot beschnitten wurden. Branchenexpert:innen warnen davor, dass Wettbewerb auf der Schiene nicht zwangsläufig zu besserer Versorgung führt, sondern im Gegenteil besonders für kleinere Städte zur Gefahr werden könnte, wenn Anbieter sich primär auf hochfrequentierte Routen fokussieren. Die Diskussion um die Zukunft des Fernverkehrs steht auch im Zeichen der Klimaziele – Verbindungen in der Fläche sind zentral für eine Verkehrswende, sonst werden wieder mehr Menschen aufs Auto zurückgreifen.

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