Berlin kurz vor der Wahl: Linke an der Spitze, CDU überholt – neue Umfrage zeigt Unsicherheit

Nur noch wenige Tage bis zur Berliner Abgeordnetenhauswahl, und eine frische Umfrage sorgt für Spannung: Die Linke springt auf Platz eins, knapp vor die CDU. Auffällig sind allerdings sowohl das Zurückbleiben des BSW hinter der Mandatshürde als auch viele unentschlossene Wähler und wenig Begeisterung für die Spitzenkandidaten.

heute 18:02 Uhr | 2 mal gelesen

Mitten in Berlin, wo Wahlplakate und nervöse Gesichter die Straßen bestimmen, kehrt die Linke zehn Tage vor der Wahl in Umfragen an die Spitze zurück. 21 Prozent bescheinigt die neue Infratest-Erhebung der Partei – ein Sprung, mit dem sie die CDU (20 Prozent) erstmals wieder hinter sich lässt.

Wer liegt über wem und warum?

Die Christdemokraten, 2023 noch die Sieger mit 28,2 Prozent, büßen laut aktueller Umfrage etliche Punkte ein. Die SPD kämpft mit 12 Prozent um ihre Existenz, im Vergleich zu 18,4 Prozent bei der letzten Wahl – man glaubt es fast nicht, wohin die Reise noch führen soll. Die Grünen: 16 Prozent, dabei verlieren sie Woche für Woche. Gleichzeitig ist die AfD weiter erstarkt und hält bei 18 Prozent, was einer knappen Verdopplung seit dem letzten Urnengang entspricht.

Kleinparteien und BSW: Zwischen Hoffnung und Schwelle

Das Bündnis Sahra Wagenknecht, zum ersten Mal dabei, erreicht 4 Prozent – eine Zahl, die so nahe an der Mandatsgrenze ist, wie ein Daumen ans Glas. Der Rest: 9 Prozent verteilen sich auf andere, wobei die FDP nach ihrem 2023er Einzug nun kaum noch erkennbar bleibt. Es scheint, als würde Berlin nicht nur farbenfroher, sondern auch zersplitterter werden.

Sicher ist nur die Ungewissheit

Ein Fünftel der Berlinerinnen und Berliner weiß noch immer nicht, wo sie am Wahltag ihr Kreuz machen werden oder spielt sogar mit dem Gedanken, gar nicht wählen zu gehen. 16 Prozent haben sich noch nicht entschieden, wiederum 16 Prozent schwanken zwischen Nichtwahl oder völliger Unentschlossenheit. In einer Stadt, wo morgen alles schon ganz anders aussehen kann, ist das fast schon die einzige Konstante.

Wer macht das Rennen um den Senat?

Gefragt nach der Wunschführung im Berliner Senat, würden sich 34 Prozent für einen CDU-geführten Senat aussprechen. Die Linke landet mit 28 Prozent auf Platz zwei, während Einigkeit in dieser Sache offenbar Mangelware bleibt. Überraschend ausbalanciert dann das Bild, wenn nur CDU und Linke zur Auswahl stehen: 42 Prozent zu 42 Prozent – manch einer wäre wohl froh, so etwas mal in der Bundesliga zu sehen.

Wer unterstützt wen? Die Parteianhänger

Befremdlich gemischt: Sogar unter AfD- und SPD-Anhängern überwiegt derzeit die Präferenz für einen weiteren CDU-geführten Senat, wenn auch die Grünen ganz klar zur Linken tendieren. In Berlin geht es oft weniger um Parteiprogramme als um Bauchgefühle und leise Vorahnungen.

Spitzenkandidaten: Viel Luft nach oben

Bei der Zufriedenheit mit den Spitzenkandidaten sieht’s, ehrlich gesagt, ein bisschen trübe aus. Elif Eralp (Linke) kommt auf 20 Prozent Zuspruch. Die Konkurrenz schneidet ähnlich schwach ab, etwa Stefan Evers (CDU, 18 Prozent) und Steffen Krach (SPD, 16 Prozent). Wie bei der Frisur von Mike aus Friedrichshain – alle meinen, noch Luft nach oben. Mehr als jeder Dritte sagt, er habe zu den Kandidaten gar keine Meinung oder kenne sie nicht einmal.

Bürgermeister(in) für Berlin?

23 Prozent sehen in Eralp eine geeignete Bürgermeisterin, ähnlich niedrige Werte gibt es für Evers oder Werner Graf (Grüne). Für alle gilt: Berlinerinnen und Berliner lassen sich offenbar nicht so leicht beeindrucken, nicht von Programmen, nicht von großen Namen – typisch Berlin halt.

Wer wurde gefragt und warum?

Nicht ganz unwichtig: Zwischen Montag und Mittwoch wurden per Infratest 1.527 Wahlberechtigte befragt. Die Mehrheit, 68 Prozent, glaubt schon zu wissen, wen sie wählen. Aber ganz ehrlich: Wer Berlin kennt, weiß, die letzten Tage vor der Wahl können alles noch einmal auf den Kopf stellen.

Parteienlandschaft und mögliche Koalitionen

Das Kräftefeld verschiebt sich – die Linke erlebt ein Comeback, die CDU hält sich trotz Verlusten, SPD und Grüne tun sich schwer, und die AfD wird zur festen Größe. Das BSW kratzt an der Schwelle und trägt zur weiteren Fragmentierung bei. In diesen Tagen dürfte die Spannung also nicht weniger werden – oder um es weniger dramatisch zu sagen: Es bleibt alles anders.

Die aktuelle Berliner Umfrage von Infratest zeigt kurz vor der Wahl erhebliche Veränderungen im Parteienspektrum, wobei die Linke mit 21 Prozent in Führung liegt und damit alte Stärke zurückerobert. Die CDU versucht, trotz rückläufiger Werte, an der Macht festzuhalten, während SPD und Grüne in der Wählergunst deutlich zurückbleiben; die AfD verfestigt sich als starke Opposition. Die geringe Bekanntheit und wenig Begeisterung für Spitzenkandidaten, dazu viele unentschlossene sowie wahlmüde Bürger, sorgen für eine extrem offene Ausgangssituation – kurzfristige Verschiebungen und überraschende Koalitionen sind gut möglich.

Ergänzende Recherche: Die Berliner Parteien konzentrieren sich in den letzten Tagen vor der Wahl verstärkt auf Mobilisierungsmaßnahmen, da laut Spiegel viele junge Wähler zur Wahlbeteiligung mobilisiert werden sollen und bei der Linken wie auch Grünen das Thema Mietenpolitik im Fokus steht. Laut Zeit gehen Experten davon aus, dass besonders das BSW mit gezielten Sozialthemen punktet, allerdings damit eben an der Fünfprozenthürde scheitern könnte, was die Chancen für neue linke Mehrheiten begrenzt – andererseits könnten Stimmenverluste bei CDU und SPD zu Dreierbündnissen führen. In der FAZ wird insbesondere darauf hingewiesen, dass die von Unsicherheit geprägte Stimmungslage im Berliner Wahlkampf zu abrupten Stimmungsumschwüngen führen kann – entscheidend seien Direktkontakte und das überzeugende persönliche Auftreten der jeweiligen Spitzenkandidaten in den Tagen vor der Wahl.

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