Irgendwie klingt es fast wie ein altbekanntes Lied: Die Bundeswehr rührt fleißig die Werbetrommel für ihre aktiven Soldaten – doch Reservisten, also all jene, die nicht mehr permanent dienen oder (wieder) Teilzeit bereitstehen wollen, bleiben ein wenig im Abseits, so zumindest die Ansicht von Bastian Ernst. In einem Interview mit der 'Welt' moniert er, dass Bewerber für die militärische Reserve vielerorts eher wie Stiefkinder behandelt werden. Karrierecenter, sagt er, müssten dringend flexibler und menschlicher aufgestellt werden – gleiche Rechte und ernsthafte Chancen für Menschen, die zwar ein paar andere Lebenswege gegangen sind, aber doch ihren Beitrag leisten wollen.
Ernst berichtet sogar von Fällen, in denen Männer und Frauen – oft in der Lebensmitte, mit Familie, manchmal nach einer Kehrtwende im Denken – den Weg zurück zur Truppe suchen. Nur scheint das häufig in bürokratischen Hürden stecken zu bleiben. Altgediente sollen (abgesehen von Extremfällen) über ein unkompliziertes 'Willkommen zurück!' wieder einsteigen dürfen. Die Welle an Formalitäten – etwa das verlangte Abiturzeugnis bei 45-Jährigen – empört ihn, denn das sage wenig über Bereitschaft und Eignung aus. Selbst die knappe Zahl an offenen Plätzen für bislang völlig Ungediente führt zu umständlichem Verwaltungsaufwand. Von Flexibilität und Willkommenskultur, so sein Urteil, sei man vielerorts der Bundeswehr noch ein ganzes Stück entfernt.
Auch bei der Ausstattung schleppen Reservisten oft noch Nachholbedarf mit sich herum – da ist die Rede von 'Waffenklau', weil altes Gerät der aktiven Einheiten ausgeliehen wird: Gewehre, Funkgeräte, Fahrzeuge fehlen. Wirklich attraktiv werde die Reserve erst dann, wenn entsprechende Ausrüstung und auch echte Übungsoptionen zur Verfügung stehen, sagt Ernst weiter. Denn: Was ist frustrierender, als endlich loslegen zu wollen, aber keine Gelegenheit dafür zu bekommen? Ein Überbleibsel einer Bürokratie, die sich offenbar zu schwer tut, neue und alte Wege zusammenzuführen.
Bastian Ernst kritisiert, dass Reservisten und ehemalige Soldaten im aktuellen Rekrutierungssystem der Bundeswehr unzureichend berücksichtigt werden. Er fordert eine Öffnung der Einstiegswege, weniger Bürokratie und bessere Ausrüstung sowie realistische Trainingsmöglichkeiten für Reservisten. Aktuell seien Bewerbungen häufig ein bürokratischer Spießrutenlauf, insbesondere für Quereinsteiger und spätentschlossene Interessenten, während Verteidigungsminister Pistorius die Zahl der Reservisten stark erhöhen will.
Weitere Details aus aktuellen Recherchen zeigen, dass in den letzten Tagen mehrfach über Personalmangel und Modernisierungsprobleme der Bundeswehr berichtet wurde. So wird unter anderem die schleppende Digitalisierung der Truppe und der schleppende Fortschritt bei Reformen angeprangert (etwa im Zusammenhang mit neuen Mobilisierungskonzepten sowie erneut aufkommender Wehrpflicht-Debatten). Neben Material- und Ausrüstungsproblemen spielt auch der gesellschaftliche Rückhalt für die Truppe eine zunehmend wichtige Rolle – die Debatten nehmen also weiter Fahrt auf.