Fifa-Chef Gianni Infantino steht erneut im Kreuzfeuer: Der Deutsche Fußball-Bund lässt durch seinen Präsidenten verlauten, dass Infantino in Sachen Entscheidungsfindung ziemlich eigenmächtig unterwegs sei, so als sei die Fifa ein Ein-Mann-Unternehmen. "Es braucht bei der Fifa von Grund auf einen anderen Ton und mehr Einbeziehung aller Mitglieder", fordert Neuendorf – und man spürt fast zwischen den Zeilen, wie tief das Misstrauen sitzt. Die Unsicherheit, fast schon Misere, ist spürbar: Entscheidungen sollten doch bitteschön wieder dort fallen, wo sie hingehören – in den Gremien, nicht über die Köpfe der Beteiligten hinweg. Interessanterweise hat sich auch die Uefa jüngst ähnlich geäußert. Man ringt gemeinsam um einen Plan für die Zukunft, offenbar auch bereit, drastische Optionen zumindest zu bedenken. Vertrauen, so scheint es, gibt es kaum noch in der Führungsriege der Fifa. Geradezu beißend fällt die Kritik seitens der Uefa aus: Infantino habe einst Transparenz gelobt, sich aber stattdessen auf geheime Deals und Verschlossenheit verlassen. Das Geld – wohlgemerkt nicht wenig, immerhin türmen sich Fifa-Rücklagen in Milliardenhöhe – habe er dabei auch nicht zum Wohl des Fußballs eingesetzt. Am Ende bleibt das Gefühl, dass eigentlich alle wissen, dass es so nicht weitergehen kann – auch wenn noch unklar ist, wie eine Neuaufstellung tatsächlich gelingen soll.
In den letzten Tagen ist der Streit um die abgewürgten Fifa-Investorenpläne erneut zum Lackmustest für die Glaubwürdigkeit der Fußballfunktionäre geworden. Bemerkenswert daran ist, wie offen mittlerweile große Akteure wie der DFB und die Uefa nicht nur Zweifel an Infantinos Führung äußern, sondern fast schon nach einer Art demokratischem Frühling im Weltfußball verlangen: Entscheidungen am runden Tisch statt einsamer Machtspiele. In jüngsten Berichten, etwa bei der Süddeutschen Zeitung und Spiegel, wird zudem darauf hingewiesen, wie tief das Vertrauensproblem inzwischen reicht – und dass konkrete Reformen (z.B. zu Mitsprache und Transparenz bei Fifa-Geldern) sehr wahrscheinlich Teil der nächsten Kongresse werden. Der Druck aus Europa wächst, dabei scheint auch eine schärfere Gangart gegen Infantino selbst nicht mehr ausgeschlossen. Im Zentrum aller Kritik steht letztlich die Sehnsucht nach einer Kultur, die der Glaubwürdigkeit des Fußballs langfristig nicht weiter schadet.