Dobrindt will Verfassungsschutz zur offensiven Geheimdienst-Instanz umbauen

Alexander Dobrindt (CSU), seines Zeichens Innenminister, strebt eine radikale Neuausrichtung beim Bundesamt für Verfassungsschutz an – weg vom reinen Informationsbeschaffer, hin zu einem aktiven Geheimdienst nach internationalem Vorbild. "Die sich wandelnden Bedrohungen durch Sabotage, Spionage, Cyberattacken oder verdeckte Einflussnahme verlangen nach einer völlig anderen Antwort", unterstrich er gegenüber der ‚Bild‘-Zeitung.

11.08.26 12:50 Uhr | 24 mal gelesen

Geht es nach Dobrindt, soll sich der Verfassungsschutz nicht länger aufs passive Sammeln von Hinweisen beschränken, sondern erhält künftig mandatierte Spielräume für unmittelbare Eingriffe. Offenbar enthält der aktuelle Gesetzentwurf Überlegungen, die Rolle des Dienstes grundlegend zu verändern und im Grunde nachrichtendienstliche Grenzen, wie wir sie bisher kennen, zu sprengen. Laut Dobrindt seien die deutschen Dienste zu lange bloß Sammler, aber keine Akteure gewesen – das müsse sich nun ändern, um der Vielschichtigkeit heutiger Gefahren die Stirn bieten zu können. Der Minister spricht unverhohlen davon, sich an westlichen Verbündeten zu orientieren und selbst ‘richtige Akteure’ im globalen Sicherheitsgeflecht zu werden. So solle das Amt beispielsweise gezielt laufende Angriffe sabotieren, Falschinformationen einspielen, Sprengstoff entschärfen, Online-Räume durchsuchen und auf digitale Überwachungskameras zugreifen dürfen. Der Einsatz künstlicher Intelligenz – ein Punkt, der nicht nur technisch, sondern auch rechtlich pikant ist – soll laut Plänen eine noch größere Rolle einnehmen. Besonders brisant: Bei Angriffen im Cyberraum könnte das Amt künftig nicht mehr nur dabei zuschauen, sondern proaktiv auf die Systeme der Angreifer reagieren. Für Dobrindt geht es nicht nur ums Beobachten – sondern darum, die Oberhand zu gewinnen. ‘Wir müssen in der Lage sein, unsresgleichen zu begegnen statt zu reagieren’, so seine markige Ansage.

Dobrindts Vorstoß, den Verfassungsschutz von einer überwiegend analysierenden Behörde zu einem aktiven Nachrichtendienst umzubauen, ist ein ziemlich drastischer Schritt im deutschen Sicherheitsgefüge und stößt sofort Debatten über Grundrechte und demokratische Kontrolle an. Kritische Stimmen fürchten die Aushöhlung rechtsstaatlicher Prinzipien, da verdeckte Operationen, manipulative Maßnahmen und digitale Gegenangriffe bislang aus guten Gründen streng reguliert oder schlicht untersagt waren – in der Vergangenheit wirkte der Verfassungsschutz oft zurückhaltender als etwa die CIA oder der Mossad. Auf internationaler Bühne bleibt noch abzuwarten, wie eng und reibungslos ein deutscher Geheimdienst wirklich mit den superaktiven Diensten anderer Länder kooperieren kann – und ob solche Maßnahmen letztlich eher mehr Sicherheit oder neue Risiken bringen.

In den letzten Stunden gab es zahlreiche Reaktionen und weitere Details: Verschiedene Medien berichten, dass auch ein stärkeres parlamentarisches Kontrollgremium diskutiert wird, besonders im Zusammenhang mit KI-gestützten Gegenmaßnahmen. Experten wie ehemalige BND-Leiter oder Juristen warnen vor überbordenden Eingriffsrechten und betonen die Bedeutung richterlicher Anordnungen bei digitalen Maßnahmen. Bereits heute sei zu beobachten, dass Autoritarismus und die Vermischung von Polizei- und Nachrichtendienstaufgaben international zunehmen – ein Trend, den Bürgerrechtler mit wachsender Skepsis betrachten.

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