Manchmal fragt man sich ja wirklich, was im Erdreich einer Stadt alles schlummert. Heute jedenfalls kam in Köln Deutz wieder einmal ein Relikt aus finsterer Vergangenheit ans Licht – eine amerikanische Weltkriegsbombe, ausgerechnet mitten im Rheinbett. Die Stadt reagierte prompt: 400 Meter Umkreis, alles dicht, bitte zügig die Wohnungen und Büros verlassen.
Auffällig und überraschend daran: Auch das bekannte RTL-Sendezentrum, aus dem täglich Nachrichten in halbe Wohnzimmer flattern, musste geräumt werden. Das hatte zur Folge, dass die Abendnachrichten 'RTL Aktuell' nicht aus der Domstadt, sondern aus dem Berliner Hauptstadtstudio übertragen wurden. Ziemlich ungewöhnlich – und sicher für das Produktionsteam eine ziemliche Umstellung.
Der Nachrichtensender ntv wich kurzerhand mit seinem Equipment vor das Hyatt-Hotel aus, das praktischerweise genau an der Kante des Sperrgebiets liegt. Neben Medienhäusern waren Teile des Rheinparks, der Tanzbrunnen, Bereiche rund um die Zoobrücke, das Kennedy-Ufer auf der anderen Rheinseite und Abschnitte am Konrad-Adenauer-Ufer direkt mit betroffen. Unwillkürlich denkt man: Wie viele Bomben liegen da wohl noch? Köln jedenfalls wird an solchen Tagen immer wieder mit seiner Geschichte konfrontiert.
Im Herzen Kölns zwang die Entdeckung einer US-amerikanischen Fliegerbombe die Einsatzkräfte zu einem Großeinsatz. Über 20.000 Menschen wurden aus dem Sperrgebiet rund um den Rhein in Deutz evakuiert, darunter auch Mitarbeitende großer Medienhäuser wie RTL. Die Entschärfung konnte am späten Abend erfolgreich abgeschlossen werden, die Stadt lobt die Disziplin und Mithilfe der Bevölkerung – dennoch bleibt bei vielen Kölnern ein mulmiges Gefühl, denn allein 2023 mussten in Nordrhein-Westfalen über 150 Bomben entschärft werden. Solche Funde zeigen die langfristigen Auswirkungen des Krieges auf deutsche Städte eindrücklich – und rufen das kollektive historische Gedächtnis wach. Experten warnen, dass bei Bauarbeiten oder im Flussbett immer wieder mit ähnlichen Entdeckungen zu rechnen ist.