Seit Jahren, so behauptet Bosch, will die CDU das Sonntagsfahrverbot für Lastwagen lockern – und jetzt werde das Klimaproblem als willkommenes Argument bemüht, um das Verbot weiter auszuhöhlen. Für Bosch ist klar: Statt Fracht von Schiffen auf die Straße zu zwingen, müsse ein Umdenken stattfinden – die Bahn solle vielmehr gestärkt und als Ausweichoption genutzt werden. Das Ersetzen eines einzigen Schiffs durch zig Lkws bedeute wachsenden Verkehr, mehr Lärm für die Menschen am Straßenrand, obendrein einen kräftigen Schub an CO2, sagt er. Und überhaupt: Das anhaltende Niedrigwasser ist für ihn eher eine unüberhörbare Mahnung der Klimakrise als ein banaler logistischer Zufall.
Er meint, die Reaktion könne unmöglich darin bestehen, immer mehr Lastwagen auf deutschen Straßen zu akzeptieren – stattdessen brauche es langfristige Investitionen in klimafeste Verkehrsstrukturen, viel Engagement für den Schienenausbau und Mut zur politischen Priorisierung. Immer neue Ausnahmen seien, so Bosch, hektisch und kurzsichtig – so lasse sich eine nachhaltige Verkehrswende jedenfalls nicht angehen.
Im Zentrum der hitzigen Debatte steht die Frage: Wie reagieren wir ehrlich auf die Herausforderungen der Klimakrise, gerade im Verkehrsbereich? Während Verkehrsminister Bilger angesichts des Niedrigwassers auf kurzfristige Lockerungen der Lkw-Regeln setzt, erkennt die Linke darin vor allem eine altbekannte Agenda, die schrittweise zu mehr Straßenverkehr führen soll. Tatsächlich ist der Niedrigwassserstand aktuell dramatisch – an manchen Orten, etwa am Rhein, muss die Schifffahrt teils eingestellt werden oder ist nur mit halber Ladung unterwegs; Wirtschaftsverbände warnen vor Lieferengpässen und fordern Flexibilität. Für die Schiene allerdings fehlen vielerorts die nötigen Kapazitäten – ein Schwachpunkt, den Fachleute von außen und die Opposition im Bundestag gleichermaßen kritisieren. In anderen europäischen Staaten, wie etwa Frankreich, gibt es bereits flexiblere Regeln für den Lkw-Verkehr an Sonntagen, jedoch wird auch dort über die klimapolitische Sinnhaftigkeit solcher Ausnahmen debattiert.