Wenn es um den Schutz vor unbemannten Flugobjekten geht, hinkt Europa offenbar der Bedrohung hinterher – so zumindest das Urteil einer Untersuchung des International Institute for Strategic Studies (IISS), die in Zusammenarbeit mit der Hanns-Seidel-Stiftung entstand. Das Erkennen von Drohnen verläuft uneinheitlich, die Rechtslage zeigt sich zersplittert, und die Verantwortlichkeiten sind oft so langsam geklärt, dass eine zügige Reaktion kaum möglich ist, so fasst es der "Tagesspiegel" auf Basis des Papiers zusammen. Zwischen Mitte 2024 und Anfang 2026 sollen Drohnen im Luftraum von zwölf NATO-Staaten sowie Irland gesichtet worden sein; verantwortlich sei mit hoher Sicherheit Russland. Besonders besorgniserregend: Offenbar werden sogar Schiffe, mutmaßlich auch aus der sogenannten Schattenflotte, genutzt, um diese UAVs zu starten und zurückzuholen – ein Beispiel für den zunehmend versteckten, hybriden Krieg, den der Kreml gegen Europa führe. Die große Hoffnung liegt derzeit auf der European Drone Defence Initiative (EDDI), die mit ihrer "rundum-sorglos"-Architektur bis 2026 scharfgestellt sein soll. Doch das Europäische Parlament sieht die Pläne skeptisch – es fehle an Geschwindigkeit und geschlossener Strategie. Und: Selbst eine voll funktionsfähige EDDI dürfte nur tätig werden, nachdem die Drohne bereits im europäischen Luftraum ist; für die Schiffe dahinter gibt es kein Mandat. Laut Klaus Holetschek, Chef der Hanns-Seidel-Stiftung, sei diese Lage bedrohlich: Europa ist noch immer anfällig für neuartige hybride Attacken – und die politische und technische Antwort zu langsam und unscharf.
Europas Infrastruktur zur Drohnenabwehr weist laut einer gemeinsamen Studie des IISS und der Hanns-Seidel-Stiftung gravierende Schwächen auf. Das Hauptproblem ist eine Mischung aus schleppender Erkennung, verstreuten rechtlichen Zuständigkeiten und einer mangelhaften Reaktionsfähigkeit – all das macht es russischen Akteuren leicht, mit UAVs tief in europäische Lufträume einzudringen. Angesichts der jüngsten Entwicklungen wächst auch die Sorge, dass politische Initiativen wie die EDDI zwar technisch ambitioniert sind, in der Praxis bislang aber weder die notwendige Geschwindigkeit noch die Entscheidungskraft aufweisen, um auf hybride Angriffe effektiv zu reagieren. Laut aktuellen Berichten aus weiteren Medien könnte die Gefahr sogar noch unterschätzt werden. Etwa auf taz.de wird auf die Schwierigkeit politischer Einigkeit bei Sicherheitsfragen hingewiesen, während die Süddeutsche Zeitung technische und logistische Engpässe bei der länderübergreifenden Koordination thematisiert. Die FAZ wiederum stellt die Frage, ob nicht eine konsequentere europäische Sicherheitsarchitektur – auch völkerrechtlich – unbedingt nötig wäre. Insgesamt steigt der politische Druck deutlich.