In den Statuten der Unionsfraktion ist zwar das Vorschlagsrecht von Merz und Söder festgelegt – trotzdem wäre theoretisch auch ein Quereinsteiger als Kandidat denkbar. Aber mal ehrlich: Die Chancen dafür sind gerade minimal. 'Niemand will die Show sprengen', gesteht ein Insider. Und tatsächlich gibt's Gerüchte, dass Merz auf Loyalität setzt und eher Leute fördert, die ihm selbst nicht auf den Keks gehen. Ob die Fraktion das schluckt, bleibt offen. Ansprechpartner Nummer eins bei diesem Gezerre: Alexander Hoffmann, der die Fraktion notdürftig über Wasser hält, zusammen mit Steffen Bilger. Da prallen viele Meinungen aufeinander – und es herrscht ordentlich Gesprächsbedarf, sonst läge der Name wohl schon längst auf dem Tisch.
Für mögliche Außenseiter ist jetzt – mitten in der Sommerpause – kaum Land in Sicht. Wer würde sich freiwillig auf diese Schleuder setzen, wo das Klima gerade ist wie ein aufgeheizter Plenarsaal? Die Stellvertreter schweigen beharrlich, Statements sind so rar wie eine Sitzplatzgarantie im ICE. Besonders verärgert sind viele der 208 Fraktionsmitglieder übrigens über den angesetzten Termin mitten im Urlaub: Sie müssen selbst anreisen, oft auf eigene Kosten, und brummen über die Störung ihrer Auszeit. Vielleicht landet so das Thema Digitalisierung ganz ungeplant doch bald ganz oben auf der internen Agenda.
Der Machtpoker um die Nachfolge des CDU/CSU-Fraktionschefs nach Jens Spahn nimmt immer neue Wendungen an. Merz und Söder beharren zwar auf exklusivem Vorschlagsrecht, doch nicht alle in der Fraktion sind darüber glücklich – zumal die Sondersitzung mitten in die Sommerpause platzt und für Unmut sorgt. Die allgemeine Zurückhaltung – kaum jemand will sich öffentlich äußern – könnte darauf hindeuten, dass der Unionsinternen längst klar ist: Entscheidungen werden hinter den Kulissen getroffen, und die eigentliche Spannung besteht eher darin, wer künftig das Vertrauen der Fraktion bekommt.
Neuste Recherchen zeigen, dass Uneinigkeit über den künftigen Kurs der Union auch nach außen durchscheint. Während sich Merz und Söder öffentlich demonstrativ geschlossen geben, brodelt es in Landesverbänden – der Ruf nach transparenterem Auswahlverfahren und besserer Mitsprache ist spürbar lauter geworden (vgl. Quelle: Die Zeit). Es gibt Stimmen, die auf die Gefahr einer stärkeren Spaltung innerhalb der Union hinweisen, falls der künftige Fraktionschef nicht mehr Brückenbauer als Machttaktiker wird. Weiter steht zu befürchten, dass der Führungswechsel die lähmende Digitalisierungsdebatte in der Fraktion erneut aufflammen lässt, zumal viele Mitglieder sich von den etablierten Strukturen abgehängt fühlen.