Der deutsche Staat schiebt bei der Besteuerung von Kryptowährungen eine große Veränderung an. Ab 2028 sollen Gewinne aus digitalen Coins wie Bitcoin und Ether automatisch besteuert werden – und zwar unabhängig davon, wie lange sie zuvor gehalten wurden. Das klingt nüchtern, ist für viele Krypto-Fans aber ein echter Einschnitt.
Was steckt hinter der Krypto-Steuer-Reform?
Ein Entwurf des Bundesfinanzministeriums sieht vor, dass Gewinne aus dem Verkauf, dem Verleih (Lending) und sogar dem Staking von Kryptowerten grundsätzlich als Kapitalerträge gelten sollen. Damit greift künftig wie bei Zinsen, Dividenden oder Aktienverkäufen die klassische Abgeltungsteuer. Interessant – oder für manche ärgerlich: Es geht um Kryptowährungen, die ab 2027 neu gekauft werden. Für diese fällt der automatisierte Steuerabzug ab 2028 dann an, wobei Plattformen wie Kryptobörsen technische Vorbereitungszeit bis dahin bekommen.
Bestandschutz für "alte" Coins
Wer seine Coins schon bis Silvester 2026 kauft, wird milder behandelt. Für diese alten Bestände bleibt es bei der bislang geltenden Regel: Verkäufe sind nach zwölf Monaten steuerfrei – eine Art „Steuerschutzwall“, so könnte man das nennen. Erst was ab 2027 neu erworben wird, fällt unter die verschärften Regeln.
Finanzielle Seite: Milliarden für den Staat?
Das Finanzministerium kalkuliert mit deutlichen Pluspunkten für die Steuerkasse: Ab 2028 rechnet man mit 160 Millionen Euro jährlich, ab 2031 sogar mit 350 Millionen. Ein Klacks im Bundeshaushalt, aber für Länder und Gemeinden immerhin ein nennenswerter Zuwachs. Hauptargument: Digitale Assets sind längst mehr als ein Nischenspielzeug – viele nutzen sie, um Vermögen zu bilden oder auf Preisgewinne zu spekulieren.
Lücken und Ausnahmen – aber nicht für alle
Bemerkenswert ist: Nicht alle Krypto-Assets sind betroffen. NFTs, gewisse Stablecoins oder Wertpapierrechte auf der Blockchain bleiben weiterhin außen vor – jedenfalls laut Entwurf. Für Bitcoin, Ether und andere klassische Tausch-Coins erheben die Plattformen voraussichtlich direkt die Steuer; wenn aber Daten zu Einstandspreisen fehlen, greift pauschale Versteuerung, was nicht gerade für Begeisterung sorgen dürfte.
Chancen, Probleme und offene Fragen
Die automatische Abführung soll Steuertricks eindämmen, bringt aber auch neue Herausforderungen. Plattformen müssen in kurzer Zeit ihre Systeme anpassen, Daten sauber verwalten und die Abzüge an das Finanzamt weiterleiten. Für Privatleute wiederum verschwindet der Vorteil des „Aussitzens“ von Kursgewinnen auf neue Bestände – die Haltefrist-Regel adé. Ob der Kompromiss mit Bestandschutz für ältere Käufe am Ende so bleibt, ist allerdings noch offen. Gesetzgebungsverfahren können sprunghaft sein – ganz wie der Krypto-Markt selbst.
Ab 2028 gilt für in Deutschland neu gekaufte Kryptowährungen eine pauschale Besteuerung durch Abgeltungsteuer – unabhängig von der Haltedauer. Dies macht das Steuersystem transparenter, nimmt Anlegern aber das Privileg steuerfreier Langzeitzinsen auf Bitcoin, Ether & Co., sofern diese nach 2026 erworben werden. Die Regierung rechnet mit deutlichen Steuermehreinnahmen im mittleren dreistelligen Millionenbereich und zielt auf einheitlichere Regeln zwischen traditionellen und digitalen Anlagen.
Neue Recherchen zeigen, dass Branchenvertreter und Finanzexperten die Reform sehr unterschiedlich bewerten. Während einige die steuerliche Gleichbehandlung von Krypto und Aktien als längst überfällig ansehen, warnen andere vor einem Innovationsrückschritt: Deutschland könnte für Krypto-Startups und Investoren an Attraktivität verlieren. Gleichzeitig bleibt unklar, wie technische Hürden und Datenschnittstellen zwischen teils internationalen Kryptoplattformen und den deutschen Finanzämtern bewältigt werden sollen (vgl. Einschätzungen u.a. in aktuellen Berichten der FAZ und Süddeutschen Zeitung).
Andere Länder – etwa Portugal oder Teile der USA – setzen teils weiterhin auf milde Besteuerung von Kryptowährungen. In der deutschen Politik ist das letzte Wort zur geplanten Neuregelung ohnehin noch nicht gesprochen. Mögliche Ausnahmen, technische Details und der genaue Umgang mit besonderen Token-Arten werden auch im Verlauf der Parlamentsdebatten heiß diskutiert.