Elbit Systems, der Rüstungsriese aus Israel, will in Deutschland offenbar richtig Fuß fassen und plant eine Expansion, die für die Branche bemerkenswert ist. Ausgerechnet Elbit – bislang in Ulm mit Telefunken als Herzstück präsent – hat sich vorgenommen, bis zu acht weitere Standorte im Bundesgebiet aufzumachen und die Zahl der Beschäftigten deutlich zu erhöhen.
Strategische Marschrichtung
Marian Rachow, der die deutsche Sparte führt, sieht dafür ordentlich Wachstumspotenzial. Details fallen noch etwas vage aus, aber sowohl Entwicklungsabteilungen als auch andere Bereiche sollen bundesweit hochgezogen werden. Ein bisschen fühlt es sich an, als würden sich hier Chancen und Bedenken gleichzeitig die Klinke in die Hand geben: mehr Jobs, mehr Hightech – aber auch Fragen zur Rolle internationaler Rüstungskonzerne in Deutschland.
Der Weg nach Deutschland
Schon länger ist Elbit auf dem deutschen Markt unterwegs. Dass Telefunken in Ulm 2007 geschluckt wurde, war damals für manche ein kleiner Paukenschlag, den heute viele schon wieder vergessen haben. Die Umbenennung in Elbit Systems Deutschland folgte später, um die Zugehörigkeit zur global agierenden Mutter deutlich sichtbar zu machen.
Eine persönliche Geschichte
Hinter dem Unternehmen steckt übrigens Michael Federmann, ein israelischer Investor, dessen familiäre Wurzeln einst in Sachsen lagen. Die Flucht aus Nazideutschland prägt die Familiengeschichte – heutzutage ist ausgerechnet Deutschland wieder wichtiger Standort. Es klingt irgendwie paradox, oder vielleicht ist es auch genau das, was Wirtschaft und Geschichte häufig ausmacht: Überschneidungen, Ambivalenzen, ein bisschen schwer in eine Schublade zu stecken.
Transnationale Entwicklungsteams
Interessant ist auch, wie Elbit künftig arbeiten will: deutsch-israelische Teams sollen die Innovation gemeinsam anstoßen – in beiden Ländern. Wie das konkret aussieht, bleibt abzuwarten, klingt aber nach viel Abstimmung, vielleicht auch ein paar kulturellen Reibungen, aus denen ja oft Gutes entstehen kann.
Die neue Führung
Seit April 2025 – und ja, das ist wirklich erst im kommenden Jahr – gibt Marian Rachow den Ton an, der schon bei Airbus Defence and Space einschlägige Erfahrung gesammelt hat. Man könnte fast sagen: Da weiß einer, wie die großen Geschäfte im europäischen Verteidigungsdschungel laufen.
Sein Auftrag: Expansion vorantreiben, Jobs schaffen, den deutschen Markt enger an internationale Entwicklungen binden. Das passiert in einer Zeit, in der die Bundeswehr eines ihrer größten Modernisierungsprogramme durchläuft – Kriegsbedrohung aus dem Osten inklusive.
Industrie- und Sicherheitspolitik im Wandel
Die geplanten neuen Arbeitsplätze passen ins Bild: Deutschland will mehr Schlüsseltechnologien im eigenen oder befreundeten Lager halten. Gleichzeitig bleibt ein mulmiges Gefühl, denn der Einzug großer ausländischer (in diesem Fall israelischer) Player wirft immer die alten Fragen auf: Wer kontrolliert die Technologie? Wie läuft das mit Exporten oder sensiblen Daten?
Jedenfalls ist Elbit mit seinem Signaltechnik- und Sensorspezialwissen auf einer Wellenlänge mit den aktuellen deutschen Rüstungsambitionen. Zwischen Tradition, politischem Drahtseilakt und wirtschaftlichem Kalkül bleibt es spannend.
Regionale Effekte und Perspektiven
Für Regionen mit neuen Elbit-Standorten kann das Wachstum Segen und Herausforderung zugleich bedeuten: Mehr qualifizierte Jobs, frische Investitionen, vielleicht auch Kooperationen mit Hochschulen. Gleichzeitig muss sich jede Gemeinde fragen: Wollen wir das? Der alte Telefunken-Standort zeigt jedenfalls, wie ein traditionelles Unternehmen in eine globale Strategie eingebettet werden kann – mit allen Chancen und Reibungsflächen.