Die Ansprüche waren hoch, das Ergebnis bleibt ernüchternd: Die von der Regierung selbst gesteckten Vorgaben für die Gasvorräte sind vor dem Einbruch des Winters in diversen Speichern nicht eingehalten worden. Aus einem Schreiben des Bundeswirtschaftsministeriums, das als Reaktion auf eine Kleine Anfrage der Grünen entstand, ergibt sich das erstaunlich ehrliche Eingeständnis: Bei einigen Anlagen, teils sogar mit Namen genannt – Wolfersberg, Frankenthal, Inzenham-West, Breitbrunn – sei es 'technisch nicht mehr möglich', die gesetzten Füllmengen noch zu erreichen.
Porenspeicher – Der Klotz am Bein?
Gerade Porenspeicher, eine technisch eher gemächliche Sorte, offenbaren jetzt ihre Schattenseite: Sie lassen sich schlicht nicht so flott nachfüllen wie andere Typen, was die angespannte Lage verschärft. Die Folge: Die viel beschworene Energiesicherheit gerät ausgerechnet in dem Moment ins Wanken, wo sie am meisten gebraucht würde. Interessanterweise wird dieses Manko jetzt zum ersten Mal ganz offiziell eingeräumt.
'Winterzittern' und politische Vorwürfe
Michael Kellner, Grünen-Fraktionsmitglied und Energieexperte, wählt deutliche Worte: Die Ministerin habe verschlafen, rechtzeitig gegenzusteuern. Laut Kellner droht ein 'Zittern durch den Winter', weil ein ungemütlich kaltes Wetterhaus droht, das Loch aber erstmal klafft. Er sieht weit mehr als einen Image-Schaden: Gefährdet seien zentrale Elemente der Wirtschaft, bis hin zu Preissprüngen, die am Ende jeden Haushalt erreichen könnten.
LNG-Abhängigkeit als neue Achillesferse
Noch pikanter – und vielleicht nicht jedem sofort bewusst – ist die Kritik an der massiven Abhängigkeit von US-Flüssiggas. Eigentlich hatte man geglaubt, nach der russischen Ära unabhängiger zu sein. Ironischerweise hängt jetzt – so Kellners Befürchtung – Deutschlands Energiesicherheit an den Launen von Donald Trump und anderen Akteuren in Übersee. Kellner spricht sogar von Erpressbarkeit, was beunruhigend klingt.
Krisengipfel, Zwang und Verantwortung
Mit Blick auf die Unsicherheit verlangt Kellner einen „Gaskrisengipfel“. Nicht nur reden, sondern gezielt alle Beteiligten verpflichten, physisch Gas einzuspeichern – und zwar verbindlich. Bisher konnte man schließlich Lagerplätze reservieren, ohne sie tatsächlich mit Gas zu füllen. Das will Kellner ändern. Der Schritt könnte einschneidend werden, und wie so häufig steht das Klein-Klein politischer Verantwortung samt möglichen Marktverwerfungen im Raum.
Fazit: Unsicherheit und Haushaltsbangen
Das vermeintliche Sommermärchen voller voller Speicher ist geplatzt – stattdessen stehen Haushalte, Industrie und Politik wieder im Bann alter Unsicherheiten. Wie wird der Winter werden, wie weit kann man sich auf die eigenen Vorräte verlassen? Und: Was passiert eigentlich, wenn die nächsten politischen Strömungen über den Atlantik rollen?
Winterlicher Blindflug und Fragen an die Politik
Mehrere deutsche Gasspeicher, vor allem die trägen Porenspeicher, bleiben vor dem Winter unter den von der Bundesregierung gesetzten Auffüllzielen. Die Opposition wirft der Regierung ein Zögern und eine gefährliche Abhängigkeit von US-amerikanischem Flüssiggas vor – was insbesondere vor dem Hintergrund unsicherer globalpolitischer Entwicklungen für Nervosität sorgt. Forderungen nach einem Krisengipfel und einer strengeren Speicherpflicht liegen auf dem Tisch, doch noch fehlt ein Konzept, das Industrie, Verbraucher und Wirtschaft beruhigt.
Aktuelle Ergänzungen aus der Berichterstattung (Recherche 25.06.2024):
Die Gasversorgung in Deutschland bleibt nach aktuellen Medienberichten weiterhin prekär: Laut FAZ lagern die Gasspeicher Anfang der Woche durchschnittlich bei rund 78 Prozent und damit unter dem eigentlich geplanten Vorwinterziel. Unterdessen berichtet Zeit Online, dass die Bundesregierung in den kommenden Tagen neue Gespräche mit Importeuren aufnehmen möchte, um zusätzliche Liefermengen aus Norwegen und den Niederlanden abzusichern. Gleichzeitig warnt Spiegel Online vor möglichen Engpässen und abrupt steigenden Marktpreisen im Fall einer Kältewelle oder politischer Unsicherheiten rund um die US-Gasimporte.