IGBCE-Boss Vassiliadis legt Kanzler Merz Menschenbild ans Herz

Michael Vassiliadis, Chef der IGBCE, konfrontiert Bundeskanzler Friedrich Merz mit deutlicher Kritik: Das Bild vom Menschen in der deutschen Sozialpolitik müsse sich grundlegend wandeln. Gleichzeitig schlägt er Alarm wegen wachsender politischer Frustration unter Facharbeitern und mahnt auch die SPD, ihre Verantwortung für die Stärke der AfD nicht zu verdrängen.

heute 09:36 Uhr | 2 mal gelesen

Michael Vassiliadis, oberster Vertreter der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie, nimmt Kanzler Friedrich Merz (CDU) ins Visier – und zwar recht unverblümt. Er fordert, dass die Bundesregierung ihr Bild vom Menschen, insbesondere in der Sozialpolitik, endlich aktualisiert.

Weg vom Misstrauen, hin zu Anerkennung

Die politische Debatte um Bürgergeld oder Sozialleistungen kreist laut Vassiliadis viel zu oft um die Angst vor Missbrauch und eine grundsätzliche Skepsis gegenüber den Leistungsberechtigten. Für ihn ist klar: Die Politik solle nicht länger die faulen Schafe vermuten, sondern die echten Fähigkeiten und Anstrengungen jener Leute wahrnehmen, die Tag für Tag ihre Arbeit machen. Interessant – ausgerechnet in den Branchen, die jetzt knirschen, etwa wegen Energiewende oder digitalem Umbruch, trifft diese Haltung offenbar besonders hart.

Ich persönlich finde, er hat da einen Punkt: Die Debatte klingt oft, als hätte jeder zweite auf der Lohnsteuerkarte einen Betrugsverdacht. Vielleicht bräuchte es ein bisschen mehr Vertrauen – oder wenigstens Respekt, auch wenn das mittlerweile altmodisch wirkt.

Entfremdung unter Facharbeitern? Ein echtes Problem

Vassiliadis bleibt im Interview nicht bei CDU und Regierung stehen: Auch der SPD gibt er einen Seitenhieb. Längst seien Facharbeiter, einst die Bastion der großen Volksparteien, für die AfD erreichbar. Daten und persönliche Gespräche würden zeigen: Die meisten sind, wie der IGBCE-Chef es ausdrückt, nicht rechts – sondern schlicht frustriert und politisch ratlos.

Das Narrativ „Rechtsextreme im Blaumann“ greift aus seiner Sicht zu kurz. Vielmehr bräuchten diese Menschen endlich wieder ein positives, anerkennendes Echo aus der Politik auf ihre Lebenssituation. Mir fällt auf, wie dünnhäutig das Klima inzwischen auch an Werkstoren geworden ist – kein Wunder bei so vielen Umbrüchen.

Wahltermine rücken näher – und damit die Nerven

Vassiliadis spricht bewusst vor den Landtagswahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. Er sieht in der Entwicklung unter Facharbeitern ein Warnsignal: Wenn etablierte Parteien nicht klarere Kante zeigen – und zwar menschlich, nicht bürokratisch – könnten sie weiter Wähler verlieren.

Respekt und die richtige Ansprache, so Vassiliadis, seien nicht bloß nette Gesten, sondern elementare Bausteine für gesellschaftlichen Zusammenhalt. Gar nicht mal so abwegig, muss ich sagen – gerade in unruhigen politischen Zeiten.

Sozialpolitik zwischen Alltag und Anspruch

Wie über Sozialleistungen gesprochen wird, beeinflusst laut Vassiliadis aktiv das Selbstwertgefühl ganzer Berufsgruppen. Wer nur auf Probleme schielt, übersieht am Ende, wie sehr Menschen von Wertschätzung und – ja, vielleicht sogar Sturheit – im Alltag zusammengehalten werden. Gewerkschaften fordern schon länger, Politik möge die eigenen Leute nicht unter Generalverdacht stellen – so einfach, so schwer durchzusetzen.

Wenn die politische Ansprache nicht verändert wird, läuft die Gesellschaft Gefahr, dass sich Unmut und Proteste weiter ins demokratieferne Lager verlagern. Vassiliadis’ Appell ist letztlich ein Weckruf: Menschlichkeit in Wort und Tat könnte entscheidender sein als so manches detailverliebte Reformgesetz.

Kritik am Menschenbild – bedeutender Weckruf?

Im Kern geht es Vassiliadis darum, dass soziale und arbeitsmarktpolitische Kommunikation wieder auf echte Anerkennung und Respekt setzen muss – weg von Argwohn und Kontrollwahn, die zu oft zwischen den Zeilen staatlicher Botschaften mitschwingen. Besonders die Industriebeschäftigten stecken mitten im Strukturwandel; wer sich nur als Risikoobjekt oder „Problemfall“ wahrnimmt, wird empfänglicher für Protestparteien. Verantwortlich sieht Vassiliadis nicht nur die CDU um Kanzler Merz, sondern auch die SPD – viele frühere Facharbeiter-Stammwähler haben sich abgewendet, weil sie sich von den 'großen' Parteien weder gehört noch vertreten fühlen. Aktuell beschäftigen sich zahlreiche Leitmedien mit dem Wandel im Wählerverhalten, dem sozialen Klima vor den anstehenden Landtagswahlen und der wachsenden Polarisierung innerhalb der Gesellschaft. Jüngste Online-Artikel beobachten zudem, wie die Zunahme rechtspopulistischer Parolen im Alltag von Arbeitnehmern angekommen ist. Kritisiert werden ein Mangel an echter Wertschätzung für Arbeitsleistung und das Ausbleiben neuer sozialpolitischer Antworten auf schnellen technologischen und ökologischen Wandel. Einige Stimmen warnen, dass eine Politik der Abgrenzung und der Kontrollrhetorik langfristig das Vertrauen in demokratische Institutionen aushöhlen könnte – und das offenbar nicht ganz ohne Grund.

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