SPD-General Klüssendorf fordert Preisdeckel bei Spritpreisen – Frontalangriff auf Reiche und Mineralölkonzerne

Tim Klüssendorf, SPD-Generalsekretär, nimmt die jüngsten Rekordpreise für Benzin und Diesel zum Anlass für heftige Kritik an Wirtschaftsministerin Katherina Reiche und schlägt beherzte staatliche Eingriffe vor. Auf der Agenda: ein Spritpreisdeckel und eine sogenannte Übergewinnsteuer auf ungewöhnlich hohe Profite der Ölindustrie. Gleichzeitig grenzt er sich scharf von der AfD ab, die solche Maßnahmen als Tabu sieht.

heute 09:08 Uhr | 2 mal gelesen

Mit einem Schlagwort der Empörung meldet sich SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf zu Wort: Deutschlands Autofahrer müssen sich mittlerweile mit beispiellosen Preisen an den Tankstellen abfinden – während Wirtschaftsministerin Katherina Reiche aus seiner Sicht bloß zuschaut. Viele Menschen, so Klüssendorf, stünden finanziell mit dem Rücken zur Wand, doch anstatt einzugreifen, lasse die Politik den Ölkonzernen freie Hand bei ihren satten Gewinnen.

Drei Vorschläge – und keiner davon zahnlos

Die Sozialdemokraten fordern, es müsse sofort gehandelt werden: Erstens schwebt Klüssendorf ein Spritpreisdeckel nach belgischem oder luxemburgischem Vorbild vor, der den Staat angeblich keinen Cent koste, aber spürbar Entlastung bringen soll. Zweitens: eine spezielle Steuer auf sogenannte Zufallsgewinne der großen Öl-Firmen – also eine Übergewinnsteuer, die Extraprofite abschöpft und im Idealfall zu den Bürgern zurückfließt. Drittens will die SPD mehr Kontrolle, Transparenz und eine stärkere Begrenzung der Marktmacht weniger großer Unternehmen – auch, um das aktuelle Marktversagen zu überwinden.

Distanz zur AfD – und ein bisschen Polemik

Klüssendorf geizt nicht mit deutlichen Worten gegenüber der AfD. Von rechter Seite, sagt er, komme ohnehin keine brauchbare Lösung für das Problem der steigenden Spritkosten – stattdessen stehe dort ein beinahe religiöser Glaube an die Unfehlbarkeit der Märkte im Vordergrund, während pragmatische Eingriffe pauschal verteufelt würden. Für die Genossen ist das ein klarer Schnitt: hier die soziale Entlastung, dort der Marktfetischismus.

Hohe Preise: Belastung für alle und Dominoeffekt

Dass Rekordpreise an deutschen Zapfsäulen nicht nur Privatleute belasten, sondern auch Unternehmen und Lieferketten treffen, ist fast schon eine triste Binsenweisheit – aber eben noch immer Realität. Teurer Sprit wirkt wie ein Brandbeschleuniger für andere Preissteigerungen. Das betrifft im Zweifel nicht nur Tankstellenkunden, sondern alle, die am Ende der Lieferkette stehen.

Streit ums Eingreifen – und viele Fragezeichen

Für die SPD ist die Sache klar: Ohne Schutzmechanismen und staatliche Kontrolle werde "sozialer Ausgleich" zur leeren Floskel. Doch spätestens hier würde vermutlich jeder zweite Ökonom nervös auf seinem Stuhl rutschen: Was passiert, wenn der Staat die Preise direkt regelt? Wie viele Steuermilliarden bringt eine Übergewinnsteuer? Und: Wäre ein Preisdeckel wirklich mehr als Symbolpolitik?

Europäische Nachbarn: Goldstandard oder Krisenlösung auf Zeit?

Im Ausland wurde mit Preisdeckeln und Sondersteuern experimentiert – manchmal mit Erfolg, manchmal mit Nebenwirkungen. Länder wie Belgien und Luxemburg setzen punktuell solche Instrumente ein, wenn die Preise ausufern. Aber eine übertragbare Patentlösung ist das, Stand jetzt, wohl nicht – zu unterschiedlich sind Marktstrukturen und politische Voraussetzungen. Für deutsche Verbraucher bleibt ein wenig Unsicherheit, ob der schnelle Griff zum Regelwerk tatsächlich rettet – oder irgendwann neue Probleme schafft.

SPD setzt im Spritpreis-Streit auf staatliche Steuerung

Die SPD bringt staatliche Maßnahmen wie Preisdeckel und Übergewinnsteuer offensiv ins Gespräch, um die hohen Spritpreise kurzfristig zu senken und erzielte Krisengewinne der Konzerne abzuschöpfen. Während Beispiele aus Belgien, Luxemburg oder Italien zeigen, dass temporäre Markt-Eingriffe in Europa keine Seltenheit sind, stellt sich die Frage nach deren Wirksamkeit und Nebenwirkungen für den deutschen Markt. Weiter offen bleibt, ob solche Instrumente schnell genug greifen und wie sie gesellschaftliche Akzeptanz sowie Versorgungssicherheit gewährleisten sollen.

Zusätzliche aktuelle Fakten

Der SPD-Vorstoß fällt in eine Phase, in der die Entlastungsthemen im Energie- und Mobilitätsbereich politisch hitzig diskutiert werden – nicht zuletzt, weil eine neue Welle hoher Preise für Benzin und Diesel laut Berichten von ADAC und Tagesschau dieser Tage anrollt. Die Bundesregierung hat auf entsprechende SPD-Forderungen bislang zurückhaltend reagiert; einige Wirtschaftsvertreter warnen sogar vor marktverzerrenden Effekten solcher Eingriffe. Diskutiert wird auch, dass eine Übergewinnsteuer laut Analysen der Bundesbank kurzfristig wohl Entlastung bringen könnte, jedoch nachhaltige Investitionsanreize zu beschädigen droht, was wiederum Arbeitsplätze und Innovation gefährden könnte.

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