Grünen-Fraktionsvize Audretsch fordert: Stromsteuer senken statt Tankrabatt neu auflegen

Andreas Audretsch von den Grünen spricht sich angesichts steigender Spritpreise entschieden gegen einen neuen staatlich geförderten Tankrabatt aus. Sein Vorschlag: Die Stromsteuer soll auf das EU-Mindestniveau gesenkt werden – das würde laut ihm wirklich den Menschen zugutekommen, statt wieder teils in den Bilanzen der Ölkonzerne zu verschwinden.

heute 10:35 Uhr | 2 mal gelesen

Die leidige Debatte um bezahlbare Energie reißt in Deutschland einfach nicht ab – und jetzt bringt sich Grünen-Fraktionsvize Andreas Audretsch mit einer klaren Haltung ins Gespräch. Überraschend oder vielleicht auch gerade nicht fordert er: Schluss mit Rabatten auf Sprit! Die Stromsteuer soll runter, weg von nationalem Übermaß hin zum europäischen Mindeststandard.

Stromsteuer statt Tankrabatt: Ein frischer Dreh?

In einem TV-Interview (RTL/ntv) erläuterte Audretsch, dass eine gesenkte Stromsteuer jährlich eine Milliarde Euro Entlastung bringen könnte – Geld, das dieses Mal bei den Leuten landet, nicht in den Taschen der Ölindustrie. Die Idee klingt simpel, aber Audretsch insistiert: Nur Instrumente, die direkt spürbar das Leben leichter machen, sind zu rechtfertigen. Ein neuer Tankrabatt? Für ihn ein Dejà-vu mit bitterem Beigeschmack.

Warum der Tankrabatt von gestern nicht die Lösung für morgen ist

Ganz offen räumt Audretsch ein, dass beim letzten Tankrabatt viele Verbraucher enttäuscht wurden: Ein Drittel, so rechnet er vor, sei bei Unternehmen wie Shell oder BP gelandet. Die Regierung hatte damals Milliarden investiert – für einen Effekt, der zumindest fragwürdig war. "Nicht nochmal", sagt Audretsch, "Deutschland sollte nicht Ölriesen mit Steuergeld sponsern, während Familien weiter jeden Monat bei den Energieausgaben knapsen müssen."

Strom als soziale Brücke

Der Vorschlag wirkt, zugegeben, pragmatisch. Strom nutzt schließlich jeder: Stadtmenschen, Pendler, Rentner, Studierende – unabhängig vom PKW-Besitz. Durch die Stromsteuer-Reduktion würde laut Audretsch schnell und ziemlich unkompliziert geholfen, ohne neuen bürokratischen Rucksack. Damit stellt er auch klar: Die Zeiten einseitiger Autoförderung sind vorbei – Zeit für einen solidarischeren Ansatz.

Vergangene Fehler nicht wiederholen

Erstaunlich deutliche Worte: Audretsch kritisiert, andere Entlastungsmaßnahmen der Vergangenheit hätten die eigentlichen Ziele verfehlt. Die Debatte um Übergewinne der Energiekonzerne schwingt da schnell mit, nicht nur als Nebenklang. Es scheint, als wolle er einen Kurswechsel erzwingen – weg von kurzfristigen Geldausschüttungen, hin zu struktureller Entlastung.

Wer profitiert am Ende wirklich?

Eine Absenkung der Stromsteuer hätte eine breitere Wirkung: Es profitieren alle Haushalte, kleine Unternehmen, sogar indirekt Mieter, weil sich Nebenkosten senken. Der Tankrabatt hingegen begünstigt vor allem Vielfahrer und Logistikfirmen. Besonders in Krisenzeiten, so argumentiert Audretsch, sollte der Staat genauer hinschauen: Wer braucht die Hilfe am dringendsten? Und wie verhindern wir, dass Konzerne die große Gewinnerin sind?

Zwischen Klimapolitik und Preisdruck

Unterschwellig wird klar: Wer auf Strom statt Kraftstoff setzt, investiert auch in Zukunftsfähigkeit. Strom wird grüner, Benzin bleibt fossil. Hier vermischt sich Entlastungsdebatte mit Klimastrategie – ein Balanceakt, der in der Koalition weiterhin für Zündstoff sorgen dürfte. Aber vielleicht ist es genau diese Debatte, die Deutschland gerade braucht. Oder etwa nicht?

Zusammengefasst will Andreas Audretsch, dass der Staat weniger auf kurzfristige politische Floskeln wie Tankrabatt setzt und stattdessen strukturell – und für alle spürbar – die Stromsteuer senkt. Seine Argumentation: Von einer Senkung profitieren wirklich breite Bevölkerungsschichten, und die Fehler früherer Entlastungen – nämlich das Abfließen von Steuergeldern an große Ölkonzerne – wiederholen sich nicht. Außerdem entspricht die Maßnahme dem Ziel, die Energiewende nicht durch Subventionierung fossiler Kraftstoffe auszubremsen.

Weitere Hintergründe und neue Stimmen aus aktuellen Medien

Nach Sichtung aktueller Berichterstattung wird die Diskussion um die Stromsteuer auch vor dem Hintergrund anhaltend hoher Strompreise und der wachsenden Bedeutung von Wärmepumpen und Elektroautos weiter angeheizt. Dabei fordern nicht nur die Grünen, sondern inzwischen auch Teile der SPD eine Senkung; auf der anderen Seite sorgen sich Finanzpolitiker wegen möglicher Steuerausfälle um Spielräume im Haushalt. Die Forderung rückt verteilungspolitische Fragen in den Mittelpunkt und ist auch Teil einer Debatte darüber, ob der Staat Branchengewinne stärker abschöpfen sollte – eine Kontroverse, die sich quer durch Regierung, Opposition und Wirtschaft zieht. Laut der Süddeutschen Zeitung verschärfen die steigenden Lebenshaltungskosten den Druck auf die Ampel-Koalition, „strukturwirksame Entlastungen“ zu liefern, wobei Wirtschaftsminister Habeck nun ebenfalls prüft, wie eine Anpassung aussehen könnte. Quelle: Süddeutsche Zeitung

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