Dass unsere Energieversorgung alles andere als selbstverständlich ist, hat sich spätestens im Januar in Berlin gezeigt: Ein gezielter Angriff ließ zehntausende Menschen tagelang im Dunkeln sitzen. Genau solche Szenarien bereiten den Innenministern bundesweit Sorgen. Laut einem aktuellen Entwurf für die Innenministerkonferenz wird vor allem betont, wie komplex und sensibel unsere ausgedachte Infrastruktur auf einzelne Störungen reagiert – manchmal reicht ein gezielter Schlag, um ein ganzes System ins Wanken zu bringen. Die Minister möchten deshalb bundesweit bestimmte Netzkomponenten auf Vorrat lagern: Transformatoren, Schaltanlagen, Spezialkabel, Schutztechnik. Ziel? Im Ernstfall sofort reagieren zu können – und außerdem die Gefahr zu mindern, dass durch gestörte Lieferketten Reparaturen wochenlang verzögert werden. Ebenfalls im Fokus: Gesetzliche Ausnahmeregelungen, mit denen gerade schwere oder sperrige Teile im Krisenfall schneller ihren Bestimmungsort erreichen sollen. Klingt erstmal ziemlich technisch, ist aber letztlich die Grundlage dafür, dass das Licht bei uns nicht ausgeht – und dass wir nicht wieder so überrascht werden wie jüngst in Berlin.
Die Bundesländer reagieren mit der geplanten Notfallreserve auf eine beunruhigende Zunahme von Angriffen auf kritische Infrastruktur – zuletzt gesehen bei dem Anschlag auf das Berliner Stromnetz. Neben Vorratslagerung von zentralen Netz-Komponenten drängen die Landesminister auf schnellere Transport-Genehmigungen für den Ernstfall, um zeitintensive bürokratische Hürden zu reduzieren. Hintergrund sind außerdem anhaltende Warnungen vor steigenden Sicherheitsrisiken für die Energiewende, verstärkte Cyberangriffe und Materialknappheit bei Schlüsselbauteilen, wie die Forschung und zahlreiche Energiereports zuletzt mehrfach betonten. Nach weiteren Recherchen lässt sich ergänzen: Viele europäische Länder debattieren derzeit ähnliche Reserve-Konzepte; die EU-Kommission plant mit dem 'Resilience Act' 2024 ebenfalls großflächige Schutzmaßnahmen für kritische Infrastruktur. Zudem wurde bekannt, dass in der Industrie teils sogar eigens 'Notlager' für Transformatoren angelegt werden, um drohende Lieferengpässe abzufedern.