Das Gebäude, das offiziell für kulturelle Zwecke steht, wirft laut Kiesewetter zahlreiche Fragen auf – nicht zuletzt wegen des undurchsichtigen Bewohnerkreises. Über 100 Menschen sollen darin leben, doch wer genau diese Leute sind und mit welchem Auftrag sie sich dort aufhalten, bleibt im Dunkeln. „Das fällt schon durch den enormen Energieverbrauch auf – für 100 Bewohner ergibt das einfach keinen Sinn“, so Kiesewetter gegenüber dem Sender Welt. Elektrische Anlagen aufwendiger Art könnten ein weiteres Indiz sein: Vordergründig Kultur, dahinter offenbar Technik und Personal, das angeblich für russische „Aufklärung“ arbeitet. Für Kiesewetter liegt nahe, dass das Russische Haus nach Ausweisung zahlreicher russischer Diplomaten Funktionen übernommen hat, die bislang der Botschaft vorbehalten waren.
Noch vor einigen Jahren sei das Haus eine offene Begegnungsstätte gewesen – Kiesewetter erinnert sich sogar an eigene Veranstaltungen als damaliger Russland-Experte. Heute sei dieses Bild für ihn gründlich ins Gegenteil verkehrt: Institutionelle Offenheit? Fehlanzeige. Vielmehr sieht er im Russischen Haus einen „Symptomträger für Schwäche und fremde Einflussnahme“ – und fürchtet keinerlei Repressalien, sollten deutsche Behörden Konsequenzen ziehen. Auch das Argument, dass etwa russische Gegenschließungen von Goethe-Instituten folgen könnten, wischt er vom Tisch: „So what?“ Zu groß sei inzwischen das Misstrauen und die Notwendigkeit, entschlossen zu handeln.
Kiesewetter bringt mit seinen Aussagen eine Debatte über das Russische Haus in Berlin ins Rollen. Seine Vorwürfe beruhen auf auffälligen Indizien wie ungewöhnlich hohem Stromverbrauch, fragwürdigen Strukturen und dem Verdacht technischer Überwachung durch russisches Personal. Die Forderung nach einer Schließung steht im größeren Kontext diplomatischer Spannungen zwischen Deutschland und Russland, ausgelöst durch Spionagevorwürfe, gegenseitige Ausweisungen und eine wachsende Skepsis gegenüber russischem Einfluss in Deutschland. Neuere Berichte in deutschen Medien bestätigen, dass Sicherheitsbehörden das Russische Haus schon länger beobachten und vor gesteigerter Spionageaktivität russischer Akteure im Land warnen. Auch ist der Umgang mit russischen Kulturzentren neu in den Fokus gerückt, etwa nachdem ähnliche Einrichtungen in anderen europäischen Hauptstädten von Sicherheitsdiensten durchsucht oder geschlossen wurden.