Tja, wenn nicht Russland – wer dann? So bringt es Oleksij Makejew, der ukrainische Botschafter in Berlin, auf den Punkt, als er gegenüber 'Welt' nach Verantwortlichen für den jüngsten Drohnen-Vorfall in Leipzig/Halle gefragt wird. Makjeew erinnert an frühere Vorkommnisse – etwa das brenzlige DHL-Paket 2024 – und betont, Russland schrecke nicht davor zurück, neue Formen des Krieges auszuprobieren. Dass das nur ein 'hybrider Krieg' sei, findet er zu harmlos formuliert; für ihn geht Russlands Angriff längst über die Ukraine hinaus und zielt auch auf Europa.
Eine Lehre aus dem Abwehrkampf gegen Russland: Kaum jemand kennt sich mit Drohnen besser aus als die Ukraine. Diese Erfahrung möchte Makejew nun seinem Gastland anbieten. Es gehe ihm explizit nicht darum, erneut als Bittsteller aufzutreten – vielmehr sieht er die Ukraine als strategischen Partner Deutschlands, der wertvolle Kenntnisse und praktische Tipps geben kann. Die ukrainische Expertise sei einzigartig, besonders im Hinblick auf den Schutz vor Drohneneinsätzen, egal ob vom Militär, Rettungsdienst oder medizinischer Seite her.
Konkret wurde in der Nacht zu Mittwoch auf dem Rollfeld des Flughafens Leipzig/Halle eine Drohne entdeckt – auffällig nahe einem ukrainischen Frachtflugzeug. Wie aus Sicherheitskreisen durchsickerte, war das Fluggerät wohl mit Sprengstoff und einem Zünder präpariert.
Die Vermutung, dass Russland den Drohnen-Zwischenfall in Leipzig verursacht haben könnte, stützt sich laut ukrainischem Botschafter Makejew auf ähnliche Erfahrungen aus dem Konflikt mit Russland, der gezielt hybride Taktiken gegen Europa und die Ukraine einsetzt. Deutsche Ermittlungsbehörden untersuchen derzeit, ob tatsächlich ein Anschlagsversuch geplant war, nachdem eine Drohne mit potenziell explosiver Fracht in der Nähe einer ukrainischen Maschine gefunden wurde. Experten in Deutschland diskutieren inzwischen verstärkt über Schutzmaßnahmen an Flughäfen und wie man die Expertise der Ukraine dabei nutzen könnte.
Zusätzlich ist die Stimmung in Europa angespannt, da sich zuletzt Hinweise auf russische Sabotageakte und Informationskampagnen verdichten. Die Bundesregierung hat erneut betont, dass sie die Ermittlungen mit höchster Priorität führt und internationale Zusammenarbeit in Präventionsfragen ausbauen will. Ukrainische Verteidigungsexperten sehen in Drohnenangriffen und elektronischer Kriegsführung eine wachsende Bedrohung, die nicht nur Kriegsgebiete, sondern immer häufiger auch zivile Infrastruktur in Europa betrifft.